Das Wetter in Thailand:

Viele Leute beneiden mich um das "schöne Wetter" in Thailand, welches hier ja angeblich das ganze Jahr über anzutreffen ist.

Ehrlich gesagt, kann ich das nur teilweise nachvollziehen.
Natürlich bin ich froh, auf den europäischen Winter verzichten zu können – denn bis auf gelegentliche Waldspaziergänge (...in etwa 30 cm hohem knirschendem Trockenschnee) vermisse ich beim Thema Winter wirklich nichts.

Allerdings gibt es auch in Thailand Jahreszeiten, die keineswegs dem europäischen Ideal von Traumwetter entsprechen. Genauer gesagt, findet man das sehnlich erhoffte Wunschwetter hier eigentlich nur in der traditionellen Hochsaison von November bis Februar (also ca. 4 Monate), doch auch zu dieser Zeit besteht – dank fortschreitender, weltweiter Klimaveränderungen – sicherlich keine "Traumwetter-Garantie".

Nun zu den Jahreszeiten an sich – in Thailand gibt es drei davon:

1. Die kühle Jahreszeit:
Bei der Beschreibung des Begriffes "kühl" gelten in Thailand andere Richtwerte als in Deutschland. Wenn im Dezember die Temperaturen in Pattaya z.B. auf ca. 25 Grad runtergehen, steht mein Thai-Nachbar vormittags zitternd mit einer dicken Jacke vor dem Haus, die man in Deutschland frühestens bei 10 Grad aus dem Schrank holen würde.
Im Klartext: Nach thailändischen Maßstäben sind 25 Grad durchaus recht kühl.
Es kann im Dezember sogar schon mal passieren, dass die Temperaturen auf unter 20 Grad sinken, aber das ist eher eine Seltenheit. In der Regel liegen sie durchschnittlich bei ca. 25 - 28 Grad. Dabei ist die Luftfeuchtigkeit erträglicher als sonst, und der Himmel manchmal sogar strahlend blau. Die Pflanzenwelt leuchtet – dank gerade erst beendeter Regenzeit – in üppiger Pracht. Aus Zentralasien zieht der Nordost-Monsun über Thailand und sorgt für eine milde, trockene Brise.
Mit anderen Worten: Ideales Urlaubswetter für Europäer.
Allerdings gelten diese Beschreibungen der kühlen Jahreszeit nicht für den Norden Thailands. In den Bergregionen um Chiang Mai ist es um diese Zeit deutlich kälter als im übrigen Thailand. Auf dem Doi Inthanon (... mit 2.565 m die höchste Erhebung Thailands) fällt das Thermometer im Dezember nachts auch schon mal auf 5 - 10 Grad ab! Tagsüber steigt es dann zwar schnell wieder auf etwa 20 Grad an, geht aber am späten Abend genau so schnell wieder nach unten. Hier ist – zu dieser Jahreszeit – separate Kleidung angebracht (...Sportschuhe, Jeans, Sweatshirt, event. sogar eine dünne Jacke).

2. Die heiße Jahreszeit:
Mitte Februar ist das Wetter noch richtig schön. Trotzdem merkt man zu dieser Zeit deutlich genug, in welche Richtung das Thermometer ab jetzt – langsam aber sicher – marschieren wird. Der März ist schon nicht mehr jedermanns Sache, aber so richtig heftig wird es erst im April: Die Luftfeuchtigkeit nimmt zu, und die Temperaturen steigen in Bangkok auf 35 - 37 Grad im Schatten (...im Isaan häufig auf über 40 Grad). Nachts wird es kaum kühler. Die Wasserpegel in den Seen und Flüssen sinken, und die Pflanzen vertrocknen. Jegliche Art von körperlicher Aktivität wird zur Tortur. Europäer holen sich bei diesem Wetter besonders häufig knallige Erkältungen – meistens beim Besuch von Banken, Kinos oder Supermärkten, wo zu dieser Jahreszeit die Klimaanlagen auf Kühlhaustemperaturen eingestellt sind.
Fast überall im Land herrscht April und Mai große Wasserknappheit. Daher ist es auch nicht für jeden Ausländer nachvollziehbar, dass in dieser Zeit – nämlich zwischem dem 12. und 15. April – das thailändische Neujahrsfest Songkran gefeiert wird. Bei diesem Fest ist es üblich, dass sich die Menschen in ganz Thailand bei glühender Hitze tagelang mit dem kostbaren und äusserst knappen Wasser hemmungslos und fröhlich beschütten, als wäre es im Überfluss vorhanden.
Die Hitzewelle nimmt im Monat Mai manchmal noch zu, bevor sie im Juni langsam nachlässt.

3. Die Regenzeit:
Etwa ab Mitte Juni zieht der Südwest-Monsun mit Regenwolken über das Andamanische Meer. Dabei trifft er zuerst auf die Gebirge der Westküste, wo dann die Regenzeit einsetzt. Danach treiben die Winde die Wolken weiter Richtung Norden und Nordosten.
Die Temperaturen kühlen sich auf etwa 30 bis 33 Grad ab - bei sehr hoher Luftfeuchtigkeit. Der Himmel ist dann meistens bewölkt bis zugezogen, während kaum eine Brise weht. Es ist das Wetter, das man in good old Germany als "schwül" bezeichnen würde – wobei eine "Schwüle" dieser Art in Deutschland zum Glück nicht erreicht wird. Leute mit Kreislaufproblemen sollten Thailand zu dieser Jahreszeit meiden.
Die Regenfälle sind im ganzen Land von unterschiedlicher Intensität, und reichen von kurz und heftig bis hin zu sintflutartig. Oft werden sie von heftigen Stürmen und lautstarken Gewittern eingeleitet. Wenn alles vorbei ist, scheint häufig sogar für mehrere Stunden die Sonne. Die durch die Regenfälle verursachten Überschwemmungen geraten regelmässig außer Kontrolle. Während in den gebirgigen Regionen mitunter ganze Dörfer weggespült werden, steht in den Städten das Wasser oft kniehoch auf den Straßen. Da es in Thailand keine ausreichend funktionie- rende Kanalisation gibt, dauert es dann mitunter seine Zeit, bis die Wassermengen vom Straßenverkehr verteilt worden sind – um danach irgendwo im Boden versickern zu können.
Nichtsdestotrotz ist die Regenzeit für Thailand lebensnotwendig, denn der (nach der Hitzeperiode) völlig ausgetrocknete Boden wäre landwirtschaftlich – ohne Regenzeit – für den Rest des Jahres kaum nutzbar. Das gilt vor allem für den Reisanbau, die Basis der thailändischen Wirtschaft.
Auch ein Großteil der Wasserversorgung würde zusammenbrechen, da vielerorts das Nutzwasser aus Seen bezogen wird (in Pattaya ist es der Maprachan See), die alljährlich allein durch die Niederschläge in der Regenzeit nachgefüllt werden können.

Fazit: Thailand-Profis werden wissen, wieviel Hitze oder Regen sie vertragen können – und welche Reise-Zeit für sie die richtige ist. Erstreisende sollten Thailand zwischen Mitte November und Mitte Februar besuchen.

P.S.: Durch die globale Erwärmung wird sich auch in Thailand das Klima in naher Zukunft verändern. Das Southeast Asia START Regional Centre hat 2007 – basierend auf der Grundlage des weltweiten Kohlendioxid-Ausstoßes – folgendes Szenario für Thailand errechnet:

Kann man eigentlich nur noch für künftige Generationen hoffen, dass sich das Team vom Southeast Asia START Regional Centre irgendwie verrechnet hat...

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