Die Rote Revolte/Teil 2:

Von dem erneuten Beginn der "Red-Shirt" Proteste bis zum (vorläufigen) gewaltsamen Ende...

Wenn wir in der folgenden Chronologie die Bezeichnung "Red-Shirts" benutzen, so meinen wir damit die Aktivisten der "UDD", was wiederum soviel wie "Vereinigte Front für Demokratie gegen die Diktatur" bedeutet. Die Bewegung der "Red-Shirts" besteht zum Großteil aus Wählern/Anhängern der aufgelösten Thaksin Partei "Thai-Rak-Thai" (...bedeutet übersetzt "Thailänder lieben Thailänder") und deren Folgeparteien.
Bis zum blutigen Ende der Demonstrationen am 19. Mai 2010 war Thaksin Shinawatra Drahtzieher und Guru dieser Bewegung. Seit Ende Mai wird er in Thailand per Haftbefehl wegen Anstiftung zum Terrorismus gesucht.

Same procedure like 2009 — Forderungen mit Ultimatum

...12. März 2010:
gegen mittag begann die von der "UDD" (Vereinigte Front für Demokratie gegen die Diktatur) organisierte Anreise der "Red-Shirts" in Bangkok, um im Laufe der zeitlich nicht begrenzten Demonstration eine Auflösung des Parlaments mit darauf folgenden Neuwahlen zu erzwingen. In diesem Zusammenhang hatte die "UDD" avisiert, dass 1.000.000 Demonstranten nach Bangkok kommen würden, doch diese Größenordnung wurde nicht mal ansatzweise erreicht. Laut Polizeiangaben befanden in der ersten Woche etwa 100.000 Demonstranten in Bangkok, in der dritten Woche waren es angeblich noch 35.000.
Abbildung links: auch während der Demos 2010 erfreuten sich Thaksin Masken bei den "Red-Shirts" wieder großer Beliebtheit.

Folgende Orte hatte man im Vorfeld als Treffpunkte bei der Ankunft ausgewählt:

...14. März 2010:
in der Nähe der Phan-Fa Brücke fand auf einer eigens errichteten Bühne die erste "UDD" Kundgebung statt, bei der etwa 50.000 Sicherheitskräfte im Einsatz waren, um im Notfall eine Eskalation zu verhindern. Zahlreiche Geschäfte und einige Schulen im Umfeld hatten bereits seit dem 12. März geschlossen. Der Amtssitz des Premierministers wurde abgeriegelt.


Thai anti-government protesters rally in Bangkok - MyVideo

Kurz nach den ersten Auftritten der "Red-Shirt"-Führer, wurde der Regierung ein Ultimatum gestellt, um den Forderungen nach Parlamentsauflösung und Neuwahlen Druck zu verleihen. Man erwarte eine Reaktion der Regierung bis zum 15. März/12:00 Uhr Mittags.

Die erste Phase der Granat-Attacken beginnt

...15. März 2010:
Wie zu erwarten, lief das Ultimatum am Montag, den 15. 03. gegen 12:00 Uhr erfolglos ab.
Aus der schwerbewachten Kaserne des 11. Infanterie-Regiments in Bangkok, in die sich PM Abhisit und sein Stellvertreter Suthep aus Sicherheitsgründen zurückgezogen hatten, ließ der Premierminister in einer Fernsehansprache verlauten, dass eine Auflösung des Parlaments und die damit verbundenen Neuwahlen nicht in Frage kämen, da man nicht nur die Interessen der Demonstranten sondern auch die der Thailänder, die nicht hinter der "UDD" stehen würden, berücksichtigen müsse. Wahlen müssten nach gültigen Regeln abgehalten werden. Er (Abhisit) sei allerdings bereit, sich die Vorstellungen der "UDD" anzuhören. Die Interessen des Landes ständen aber auf jeden Fall im Vordergrund.

Am Sonntag Abend hatte sich der verurteilte und flüchtige Ex-Premierminister Thaksin Shinawatra – die Galionsfigur der "Red-Shirts" – wieder einmal per Video-Link zu Wort gemeldet. In einer theatralischen Ansprache forderte er seine Anhänger auf, den friedlichen Protest weiter fortzusetzen, denn schließlich gehe es nicht um ihn, sondern um die Demokratie Thailands.
Eine andere Bemerkung Thaksins hatte bereits den deutschen Botschafter in Thailand zu einer Stellungnahme veranlasst: Thaksin hatte nämlich erwähnt, er plane nach Deutschland zu reisen, um seine Töchter zu treffen, die sich angeblich in Berlin aufhalten würden. Der deutsche Botschafter erklärte daraufhin noch einmal, dass Mr. Thaksin in Deutschland unerwünscht sei, und seit dem letzten Jahr ein Einreiseverbot für ihn bestehe. Die Behörden würden prüfen, ob Thaksin versuchen werde unter falschen Namen nach Deutschland zu reisen.

Gegen Mittag des 15. März verkündete "UDD" Führer Natthawut Saikua, dass man für den 16. März eine aussergewöhnliche Aktion geplant habe:
Gegen 08:00 Uhr morgens würden insgesamt 100.000 Demonstranten damit beginnen eine Gesamtmenge von 1.000 Litern Blut spenden. Dieses Blut würde man dann vor dem Regierungsgebäude fließen lassen, als Vergeltung für die Entscheidung der Regierung das Parlament nicht aufzulösen.
Falls die Regierung danach immer noch nicht das Parlament auflösen werde, werde man die Aktion mit weiteren 1.000 Litern Blut vor dem Hauptquartier der Demokratischen Partei wiederholen. Das dritte Ziel für zusätzliche 1.000 Liter Blut sei dann der Wohnsitz des Premierministers.

Nach der Ankündigung führte Mr. Natthawut seine Anhänger von der Kaserne des 11. Infanterie-Regiments zurück zu ihrem Hauptquartier an der Phan Fa-Brücke.
Kurz danach – etwa gegen 13:30 Uhr – wurden sechs M79 Granaten auf das Lager des Ersten Infanterie-Regiment in der Vibhavadi-Rangsit Road abgeschossen. Zwei Wachdienst habende Soldaten wurden bei dem Angriff verletzt und ins King Mongkut Hospital eingeliefert. Laut Armeesprecher Col Sansern Kaewkamnerd wurden die Granaten, von denen zwei nicht detonierten, wahrscheinlich aus einem Pickup abgeschossen.
"Bisher liegen uns keine Informationen vor, wer hinter dem Anschlag steckt", sagte Col Sansern Kaewkamnerd.
Die Residenz des Armeechefs Anupong Paojinda liegt nur etwa 100 Meter vom Lager des Ersten Infanterie-Regiment entfernt.

Währenddessen staunte die Welt über die Veröffentlichung zweier Videos, die von einem Mitarbeiter der Zeitung "The Nation" am 12. März in Nakhon Panom aufgenommen wurden, und klar und deutlich zeigen, wie die angeblich für mehr Demokratie kämpfenden Demonstranten – vor der Abreise nach Bangkok – für ihre Teilnahme an der Demonstration in bar bezahlt werden.

Bizarres Ritual mit "symbolischem Blutvergießen"

...16. März 2010:
tausende von "Red-Shirts" warteten am Dienstag morgen geduldig in der Warteschlange vor den provisorisch errichteten Zelten, um ihr Blut für die von den "UDD" Organisatoren geplante bizarre Inszenierung zu spenden. Nach der Abnahme wurde das gespendete Blut direkt aus den Spritzen in bereitgestellte, handelsübliche 5 Liter Wasserflaschen gefüllt.


"Red-Shirts" collect blood for anti-govt-rally - MyVideo

Insgesamt kamen "nur" 300 Liter Blut zusammen. Die am Vortag selbstbewusst angekündigte Menge von 1.000 Litern wurde nicht erreicht. Ein Teil des Blutes wurde dann unter Beteiligung eines Hindu-Priesters – der zur Belustigung der ausländischen Presse einen Fluch gegen die Regierung aussprach – vor den Toren des Regierungsgebäudes verteilt; der Rest wurde danach vor dem Hauptquartier der Demokratischen Partei vergossen. Eine weitere "Blutspenden-Aktion" fand am 17. März vor dem Wohnsitz des Premiers statt.


"Red Shirt" Protesters spill own blood in Bangkok - MyVideo

"Das Blut soll unser Engagement bei der Forderung nach Demokratie zeigen. Dies ist ein wichtiges Fluch-Ritual", sagte "Red-Shirt" Führer Nattawut Saikur.
Die Demonstranten – deren Zahl laut Medienberichten eher abzunehmen scheint, und nach Schätzungen etwa ein zehntel der avisierten 1.000.000 Besucher beträgt – fuhren auf Lastwagen durch die Stadt und hielten die mit Blut gefüllten 5 Liter Flaschen dabei triumphierend in die Luft.
Die Blut-Aktion wurde nicht nur aus hygienischen Gründen vom Roten Kreuz und anderen Hilfsorganisationen kritisiert, auch für die sinnlose Verschwendung des kostbaren Gutes konnte man wenig Verständnis aufbringen.
Video unten: AlJazeera-Interview mit Ministerpräsident Abhisit auf nach der "Blutspenden-Aktion" der "Red-Shirts"

"Red-Shirt"-Konvoi auf Werbetour

...20. März 2010:
Nachdem die drei – als Medienspektakel inszenierten – Blutrituale am Regierungssitz, am Hauptquartier der Demokratischen Partei und zuletzt vor dem Haus des Premierministers sowohl in der Öffentlichkeit als auch bei der Presse im In- und Ausland eher auf Unverständnis, Irritation und Ablehnung stießen, machte sich eine gewisse Ratlosigkeit bezüglich der weiteren Vorgehensweise in der "UDD"-Führung bemerkbar.
Um dem entgegen zu wirken, und ein positiveres Image aufzubauen, starteten die "Red-Shirts" am 20. März mit einem bunten Konvoi aus Pickups und Motorrädern eine Tour quer durch Bangkok, um bei den Einwohnern der Stadt für Support und Verständnis beim selbst ausgerufenen Klassenkampf gegen die Regierung zu werben.
Abbildung unten: Die Route der "Red-Shirts" (Illustration: "The Nation")

Während Ex-Premier Thaksin die Bewohner Bangkoks in einer weiteren Videobotschaft ebenfalls aufforderte, die Demonstranten in ihrem Kampf für Demokratie und Gerechtigkeit zu unterstützen, und sich dem Marsch anzuschließen, empfahl Sukhumbhand Paribatra – der Gouverneur von Bangkok – den Bewohners aufgrund des entstehenden Verkehrschaos besser zu Hause zu bleiben.
...23. März 2010:
Erste Vorgespräche zu Verhandlungen platzen.

"Red-Shirts" lehnen Angebot des Premierministers ab

......28. März 2010:
trotz zahlreicher Unstimmigkeiten im Vorfeld kam es am 28. 03. tatsächlich zu einem ersten Meeting zwischen Premierminister Abhisit und der UDD-Führung. Das dreistündige Gespräch (16:00 - 19:00 Uhr) wurde live in ganz Thailand übertragen.
Insgesamt sechs Personen nahmen an der Gesprächsrunde teil:
Die "UDD"-Delegation bestand aus Weera Musikhapong, Jatuporn Prompan und Weng Tojirakarn während der Premierminister von seinem Generalsekretär Korbsak Sabhavasu sowie dem demokratischen Parteifunktionär Chamni Sakdiset begleitet wurde.

Abbildung oben: Diskussion ohne Ergebnis
Rechte Seite: Jatuporn, Weera, Weng (...von vorne nach hinten)
Linke Seite: Korbsak, Abhisit, Chamni (...von vorne nach hinten)

Wie zu erwarten, kam man keinen Schritt weiter, da die "UDD"-Repräsentanten von Anfang an auf eine Auflösung des Parlamentes innerhalb von 15 Tagen bestanden. Premierminister Abhisit bezweifelte dagegen, dass sich die politische Lage im Falle einer Parlamentsauflösung normalisieren würde und zu einer Versöhnung der verfeindeten Fronten führen würde.

...29. März 2010:
dass der Premierminister mit seiner Einschätzung der verfeindeten Fronten richtig liegen würde, zeigte sich bereits am nächsten Tag wenige Stunden vor dem geplanten zweiten Meeting, als sich unerwarteter Weise die gelbe Fraktion ("PAD") zu Wort meldete.
Suriyasai Katasila – Koordinator der "PAD" – verlas eine Stellungnahme der "PAD"-Führung, in der es hieß, dass man die Gespräche zwar generell befürworte, aber keinesfalls damit einverstanden sei, dass das Parlament aufgelöst werde, denn für die "UDD" sei dies nur eine Taktik, um dem flüchtigen Ex-Premier Thaksin Shinawatra zurück an die Macht zu verhelfen. Die Regierung müsse aufpassen, dass sie keine Vereinbarung treffe, die dazu beitragen könnte Thaksin über Umwege Legitimität zu verschaffen.

Premierminister Abhisit zeigte sich unbeeindruckt von den Drohungen der "PAD" und überraschte die Teilnehmer der Gesprächsrunde wenige Stunden danach beim zweiten Treffen mit einem Kompromissvorschlag, der folgendes besagte:
Er (Abhisit) könne sich vorstellen, dass es nach einer Parlamentsauflösung Ende November 2010 bereits im Januar 2011 vorgezogene Neuwahlen geben könnte. Ein früherer Zeitpunkt der Parlamentsauflösung sei unmöglich, da von den Koalitionsparteien unter anderem noch der Haushalt für 2011 beschlossen werden müsse. Ausserdem müsse erst eine neue Verfassung ausgearbeitet werden, denn die vom Militär (...nach dem Putsch von 2006) ausgearbeitete Verfassung stelle keine Basis für die vorgezogenen Neuwahlen da.

...30. März 2010:
wie zu erwarten, wurde der von Premierminister Abhisit gemachte Kompromissvorschlag zur Auflösung des Parlaments Tags darauf von der "UDD" Führung mit der Begründung abgelehnt, dass ein solcher Zeitrahmen indiskutabel sei. Man habe nicht von einer Parlamentsauflösung bis Ende des Jahres gesprochen, sondern innerhalb von 15 Tagen. Falls der PM allerdings bereit wäre, das Parlament in drei Monaten aufzulösen, so könnte man sich vorstellen, erneut über diesen Vorschlag zu diskutieren, ansonsten seien die Gespräche beendet.
Der Premierminister teilte in einer Stellungnahme mit, das er das Scheitern der Gespräche sehr bedauere. Es sei schade, dass die "UDD" das Entgegenkommen der Regierung nicht zu schätzen wisse. Trotzdem sei man weiterhin zu Gesprächen bereit.

Die Situation gerät langsam ausser Kontrolle

...06. April 2010:
gegen Nachmittag wurden laut Regierungssprecher Panitan Wattanayagorn Haftbefehle gegen 10 Führer des harten "UDD" Kerns von der "Administration of Peace and Order" (CAPO) genehmigt. Zuvor hatten zehntausende von Regierungsgegnern ein Demonstrationsverbot für elf Hauptverkehrsadern in Bangkok ignoriert, die Polizeiabsperrungen durchbrochen, und sich Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften geliefert. Vor der Parteizentrale der Demokraten explodierte ausserdem eine Granate. Die Ausstellung der Haftbefehle löste eine Welle der Empörung bei den "Red-Shirts" aus. Die "CAPO" würde mit unterschiedlichen Maßstäben arbeiten, denn bei der Flughafenbesetzung der "Yellow-Shirts" sei es zu keinen strafrechtlichen Verfolgungen gekommen.

...07. April 2010:
Am Mittwoch eskalierte die Situation das erste mal, als etwa 5000 "Red-Shirts" unter Führung von Arisaman Pongruangrong – dem Mann, der bereits am 11. April 2009 die Stürmung des 14. ASEAN-Gipfels in Pattaya leitete – das Tor zum Parlament aufbrachen und in das Gelände stürmten.
Abgeordnete (unter ihnen auch Vize-Premierminister Suthep Thaugsuban) mussten mit Hilfe von Leitern das Gebäude und danach mit Armeehubschraubern das Gelände verlassen, die Parlamentssitzung musste von Parlamentspräsident Chai Chidchob geschlossen werden.
Premierminister Abhisit befand sich zu diesem Zeitpunkt bereits auf dem Weg zu der Armeebasis am nördlichen Stadtrand von Bangkok, wo die Regierung seit einigen Wochen ihr Krisen-Hauptquartier aufgeschlagen hat.

Am Mittwoch Abend verhängte er den Ausnahmezustand über Bangkok, Nonthaburi und einige Regionen in Samut Prakan, Pathum Thani, Nakhon Pathom und Ayutthaya. "UDD"-Führer Natthawut Saikua ließ kurz danach verlauten, daß die Demonstranten nicht daran denken würden, ihre Demo-Meilen an der Phan-Fa-Brücke und der Ratchaprasong-Kreuzung zu räumen, und rief zum Wiederstand gegen den Ausnahmezustand bzw. das damit verbundene Versammlungsverbot auf: "Ich rufe alle Red-Shirts in der Stadt und den umliegenden Provinzen auf, zu uns zu stoßen. Wir werden mit den bloßen Händen gegen die Gewehre kämpfen. Die Rothemden der anderen Provinzen sollen zu ihren jeweiligen Rathäusern ziehen."
Am späten Abend wurden sämtliche Fernsehprogramme auf allen Sendern Thailands für eine etwa 10 minütige Erklärung des stellvertretenden Ministerpräsidenten Suthep unterbrochen.
Dieser befand sich zusammen mit dem Verteidigungsminister, sowie Armeechef Anupong Paojinda und 5 weiteren ranghohen Militärs im Krisenhauptquartier der Armeebasis, und teilte sinngemäß mit, dass dies – im Rahmen des heute verhängten Ausnahmezustandes – eine letzte Warnung an die Demonstranten sei, sich zurückzuziehen. Man werde die Gesetzesverstöße nicht länger tolerieren...

Einige Stunden nach der Verhängung des Ausnahmezustandes ließ Premierminister Abhisit verkünden, dass es der Regierung gelungen sei, den über Satellit laufenden "UDD"-Fernsehkanal PTV (...auch "Sender des Vokes" genannt) zu sperren. Der Sender (...siehe Logo links) sei missbraucht worden, um Hetzpropaganda gegen die Regierung zu betreiben, und um Demonstranten zu mobilisieren.
"Red-Shirt"-Führer Jatuporn Prompan bezeichnete die Schließung des Senders dagegen als teuflische Maßnahme, die von einer diktatorischen Regierung verhängt worden sei. Abhisit solle umgehend zurücktreten.
Derweilen erklärte der Krisenstab der Regierung, dass man keine gewaltsame Auflösung der Demonstration plane, dafür aber daran arbeite die "UDD" zu isolieren. Das Abschalten Ihres Volkssenders sei nur ein erster Schritt in diese Richtung. Gleichzeitig werde man diverse Radiostationen und Websites sperren, die von den "Red-Shirts" ebenfalls genutzt würden, um Lügen und Desinformation zu verbreiten und öffentlich Haß zu säen.

...08./09. April 2010:
Trotz Ausnahmezustand kündigte "UDD"-Führer Natthawut Saikua an, dass man am Freitag, den 09. April mit mehreren Konvois Demonstranten zu 10 neuen Zielen in Bangkok bringen werde. Die Ziele seinen noch geheim, aber man werde gegen 09:00 Uhr von der Phan-Fa-Brücke und der Ratchaprasong-Kreuzung aufbrechen.
Daraufhin kündigte Oberst Sansern Kaewkamnerd – Sprecher der Operationszentrale der Regierung – an, dass diese Störung eine Verletzung von Artikel 11 der Ausführungsverordnung für die Verwaltung im Ausnahmezustand sei. Ordnungskräfte seien autorisiert die Fahrzeuge zu beschlagnahmen und die Benutzer zu verhaften.
Am Morgen des 09. April stellte der Strafgerichtshof Haftbefehle für 17 Führungsmitglieder der "UDD" wegen der illegalen Besetzung des Geschäftsviertel an der Ratchaprasong Kreuzung aus. Unter den 17 Personen befinden sich auch die drei bekanntesten Anführer der "Red-Shirts" (Weera Musikhapong, Jatuporn Prompan und Nattawut Saikua).

Ebenfalls am Morgen des 09. April zogen tausende (...die Angaben differieren) von "Red-Shirts" sowohl von der Phan-Fa-Brücke als auch der Ratchaprasong-Kreuzung zur Satellitenstation der Thaicom im Distrikt Lat Lum Kaeo in Pathum Thani, um den gesperrten Fernsehkanal PTV wieder auf Sendung zu bringen. Zuvor hatte "UDD"-Führer Natthawut Saikua in einer Rede zu den Demonstranten folgendes gesagt: "Wir marschieren jetzt los, um die da zu fragen, warum sie den "Sender des Volkes" abgeschaltet haben und welches Recht sie haben, uns blind und taub zu machen".
Kurz nach Natthawuts Ankündigung verlas die Operationszentrale für die Verwaltung im Ausnahmezustand (CPAES) eine Erklärung, in der sie die Demonstranten davor warnte, die Anlage der Thaicom in Pathum Thani zu betreten.
Etwa 6.000 Soldaten waren innen und außen um die Thaicom-Station in Stellung gegangen seien, um das Gelände vor den "Red-Shirts" zu sichern. Zusätzlich hatte man 600 Polizisten vor dem Gebäude platziert.
Gegen Nachmittag ließ Oberst Sansern Kaewkamnerd (Sprecher der CPAES) verlauten, daß sich etwa 3.000 "Red-Shirts" auf den Weg zur Thaicom-Station gemacht hätten.
Laut Oberst Sansern sah der Plan vor, erst mit den Demonstranten zu verhandeln. Für den Fall, dass diese sich nicht kooperativ zeigen würden, hatten die Sicherheitskräfte die Anweisung sie mit Hilfe von Schilden, Wasserwerfern, Tränengas, Schlagstöcken und Gummigeschossen von der Station zurücktreiben. Der CPAES-Sprecher forderte alle Unbeteiligten auf, von der Station fern zu bleiben.

Doch es kam alles anders als erwartet: Entweder waren die Sicherheitskräfte dem wütenden Ansturm der Demonstranten nicht gewachsen, oder sie hatten den Befehl nicht bis zum äußersten zu gehen... oder aber sie wollten gar nicht gegen die "Red-Shirts" vorgehen.
Nach einigen Versuchen, die Situation mit Wasserwerfen in den Griff zu bekommen, und einer fehlerhaft eingesetzten Trängas-Ladung, die Dank ungünstigem Wind in die Reihen der Sicherheitskräfte wehte, wurden die Soldaten mit Steinen beworfen und immer weiter zurückgedrängt, sodass die Demonstranten die Station schließlich übernehmen konnten.
Alles in allem forderte die kleine Machtprobe mindestens 21 Verletzte. Doch scheint es im Nachhinein wie ein harmloses Gerangel, gegen das was am nächsten Tag folgen sollte..

10. April 2010 — ein schwarzer Tag für Thailand

Bei dem Versuch des Militärs, die Demonstranten von Ihren Stützpunkten zu vertreiben, war es am Samstag, den 10. April zu den schlimmsten und blutigsten Auseinandersetzungen seit Beginn der Proteste gekommen.
"Ab sofort lautet unsere Forderung nicht mehr das Parlament in 15 Tagen aufzulösen, sondern es sofort aufzulösen. Ausserdem fordern wir Abhisit auf, umgehend das Land zu verlassen", sagte Veera Musikapong, Anführer der "Red-Shirts" am Abend, nachdem die Armee einen Waffenstillstand angeboten hatte.

Demonstranten warfen Molotowcocktails auf Soldaten, die wiederum Gummigeschosse und Tränengas auf die Demonstranten abfeuerten. Am späten Abend teilte ein Angestellter des Bangkok Hospital mit, dass bei den Kämpfen insgesamt etwa 540 Menschen verletzt wurden, und bisher zehn Menschen gestorben seien – neben fünf Demonstranten auch ein japanischer Kameramann der Nachrichtenagentur Reuters.
Malinee Sukavrejworakit, stellvertretender Gouverneur von Bangkok, sagte, dass vier Soldaten bei den Zusammenstößen getötet wurden. Notdienste berichteten, dass etwa 20 Soldaten bei einer Granaten-Explosionen verletzt worden seien. Ausserdem explodierte eine Granate in der Nähe von Premierminister Abhisits Büro im Regierungsgebäude. Zudem berichtete Col. Sansern Kaewkamnerd, Sprecher der Armee, dass die Demonstranten an der Kok Woa Kreuzung eine Gasflasche in eine Reihe von Soldaten geworfen hätten. Bei der darauf folgenden Explosion seien 50 Soldaten verletzt worden.

Kämpfe an mehreren Standorten:
Aela Cullen, die Al Jazeera-Korrespondentin in Bangkok, berichtete von schwerem Gewehrfeuer sowie dem Einsatz von Tränengas auch in der Khao San Road, einem bekannten und beliebten Ziel von Urlaubern aus aller Welt.

Etwa 500 Menschen, darunter mindestens 64 Soldaten und Polizisten wurden bei Gefechten in der Nähe der Phan-Fah-Brücke und der Rajdamnoen Road verletzt, wo die Demonstranten ihren Hauptstützpunkt errichtet hatten.
Bei dem Versuch die Demonstranten aufzulösen, war die erste Offensive der Soldaten gescheitert, denn die "Red-Shirts" hatten sich umgruppiert, nachdem sie erfuhren, dass die Armee weitere Truppen zur Verstärkungen schicken würde.
Nach einer angespannten Patt-Situation, starteten die Soldaten etwa 500 Meter entfernt an Kok Woa Kreuzung in der Nähe der Khao San Road eine zweite Offensive.
Col. Sansern Kaewkamnerd, Sprecher der Armee, sagte: "Wir befürchten Sabotage durch die Red-Shirts, daher haben wir die Truppen in der Gegend um die Rajdumnoen Road verstärkt, um sicherzustellen, dass die Situation nicht außer Kontrolle gerät."

Belagerung des Einkaufsviertels:
Trotz der Sicherheitsvorkehrungen, schwärmten weiterhin mehrere tausend "Red-Shirts" in Bangkoks führendes Einkaufsviertel, eine Gegend von gehobenen Einkaufszentren und Fünf-Sterne-Hotels, die bereits seit etwa einer Woche von den "Red-Shirts" kontrolliert wurde. Dort verschanzten sie sich am Samstag hinter Barrikaden aus Pick-Ups, Taxis und LKWs, wobei sie gleichzeitig weitere Straßenzüge unter ihre Kontrolle brachten. Die Polizei versuchte die Barrikaden zu umgehen, musste sich aber geschlagen geben und zurückgeziehen, nachdem sie einer Überzahl von "Red-Shirts" gegenüberstand.

"Wir fordern unsere Leute auf, als Verstärkung zur Phan-Fah-Brücke zu marschieren, denn wir haben genug Leute hier. Die Situation an der Brücke ist wesentlich angespannter", sagte Nattawut Saikua, einer der "Red-Shirt"-Führer in dem besetzten Einkaufsviertel.
Eine fragwürdige Situation, denn zwischen den Demonstranten – von denen viele in Erwartung auf einen Tränengasangriff chirurgische Masken und nasse Handtücher trugen – wanderten auch Touristen durch das Viertel.
Die Führer der "Red-Shirts" hatten geschworen, sie würden auch anfangen Rathäuser und Stadtverwaltungen in den Provinzen zu belagern, wenn es zu einer Niederschlagung ihrer Proteste in Bangkok kommen würde.
Sowohl in Chiang Mai als auch Udon Thani kam es bereits am Samstag zu Problemen. Demonstranten brachen die Tore der Rathäuser auf und drangen in die Gebäude ein.
Auf einer behelfsmäßigen Bühne forderten die Demonstranten in Chiang Mai die Regierung in Bangkok auf, das Parlament aufzulösen und die Niederschlagung der Proteste sofort zu stoppen. Ausserdem versammelten sie sich auch außerhalb eines staatlichen Fernsehsenders.

Tags darauf wurde Generalsekretär Korbsak beauftragt neue Gespräche mit der Führern der "Red-Shirts" zu vereinbaren – und erhielt umgehend eine Abfuhr. Die Zeit der Gespräche sei vorbei.
Die Zahlen der Toten und Verletzten mussten in den folgenden Wochen fast täglich nach oben korrigiert werden. Alles in allem sind bei den blutigen Zusammenstößen am 10. April 25 Menschen ums Leben gekommen und etwa 830 Personen verletzt worden.

Die Tage nach dem Crash

...15. April 2010:
die Demonstranten begannen die am 12. März von ihnen errichtete Bühne auf der Phan-Fa Brücke wieder abzubauen. Gleichzeitig verkündete "Red-Shirts"-Führer Natthawut, dass man gemeinsam zur Ratchaprasong-Kreuzung umziehen werde, um dort die Kräfte zu bündeln, und sich auf den "Endkampf" vorzubereiten. Alles in allem habe man von dort eine stärkere Verhandlungsposition. Insgesamt versammelten sich gegen Abend etwa 30.000 Demonstranten in Bangkoks beliebtem Einkaufsviertel, dass sie seit dem 04. April besetzt halten.

Ausserdem trat gegen Mittag eine neue Gruppe von Demonstranten in Erscheinung: die Bewegung "Civilians Protecting the Country" ist – nach eigenen Angaben – keiner speziellen Farbe zuzuordnen, und wird daher von der thailändischen Presse der Einfachheit halber gern als die "Multi-Colour Group" bezeichnet. Allerdings dominieren deutlich die Farben Pink und Gelb. Offiziell distanziert sich die "Multi-Colour Group" zwar sowohl von der "UDD" als auch von der "PAD", es ist allerdings anzunehmen, dass sich in ihren Reihen auch viele (gemäßigte) "PAD" Anhänger befinden.

(Abbildung oben: Die "Multi-Colour Group" mischt mit. Fotoquelle: Issara Boonyen)

Die Demonstranten, die von Dr. Tul Sitthisomwong von der Chulalongkorn-Universität/Fakultät für Medizin angeführt werden, gehören entweder dem Netzwerk der "The Nation" Gruppe an, oder entstammen einer der facebook Gruppen, die sich gegen eine Auflösung des Parlaments stark machen.
Am frühen Nachmittag hatten sich etwa 3000 "bunte" Demonstranten vor der Kaserne des 11. Infanterie-Regiment – wo sich auch der Premierminister aufhält – versammelt, um ihre Unterstützung für Regierung, Polizei und Soldaten zu zeigen. Die "Multi-Colour Group" kündigte an, jeden Tag von 16:00 bis 18:00 Uhr am Victory Monument friedlich zu demonstrieren, bis die Aktivitäten der "Red-Shirts" ein Ende finden würden.

Am späten Abend des 15. April ließ Col. Sansern Kaewkamnerd, der Sprecher des Krisenstabes, durchblicken, dass man sich mit der aktuellen Situation nicht zufrieden geben werde:
"Wir werden versuchen, die Normalität wieder herzustellen, und die Demonstranten von der Kreuzung zu vertreiben. Wir sind jetzt auf Waffengefechte besser vorbereitet. Das Gesetz wird durchgesetzt werden, auch wenn dafür härtere Massnahmen ergriffen werden müssen."

...16. April 2010:
ein Versuch der Polizei einige der per Haftbefehl gesuchten "Red-Shirt"-Führer festzunehmen ging milde gesagt in die Hose. Arisman Pongruangrong, der zum gewaltbereiten Kern der "Red-Shirts" zählt, und sowohl für den Überfall auf den 14. ASEAN-Gipfels am 10. April 2009 in Pattaya als auch für die Erstürmung der Satellitenstation der Thaicom am 09. April 2010 verantwortlich ist, entkam durch eine medienwirksame Abseilung vom dritten Stock des Hotels, und wurde daraufhin von seinen Anhängern gefeiert.
(Fotoquelle: The Nation)

Am gleichen Abend verkündete Premierminister Abhisit gegen 21:30 Uhr in einer Ansprache an die Nation, er habe Armeechef Anupong Paojinda die Umsetzung der Entscheidungen der Zentrale zur Lösung von Ausnahmesituationen (CRES) übertragen, und ihn angewiesen, die "Terroristen" festzunehmen, die die Reihen der "Red-Shirts" infiltriert hätten.

...19. April 2010:
Nachdem die "Red-Shirts"-Führer am Wochenende angekündigt hatten, dass sie die Demo-Meile bis auf die Silom Road ins Finanzviertel ausweiten werden, um dann neue Protestaktionen – unter anderem auch gegen die Bangkok-Bank – vorzunehmen, begann das Militär in der Nacht zum Montag mit der Absperrung des Viertels. Armeeeinheiten patrouillierten durch den Silom-Distrikt und rollten Stacheldraht aus, während bewaffnete Soldaten in den oberen Geschossen der umliegenden Gebäude Stellung nahmen.
Oberst Sansern, Sprecher des Notstandskomitees CRES, teilte mit, dass die Truppen, die sich unmittelbar an der Demo-Meile zur Ratchaprasong befinden, zwar nicht bewaffnet seien, wohl aber die, die sich in den oberen Geschossen und auf den Dächern der Gebäude befinden würden. "Wir müssen davon ausgehen, dass sich Terroristen mit unlauteren Absichten unter den Demonstranten befinden. Falls es zu Kämpfen kommen sollte, so müssen diese Personen notfalls mit Waffengewalt davon abgehalten werden können, Chaos zu verursachen", sagte Sansern.

Daraufhin erklärte "Red-Shirt"-Führer Weng Tohjirakarn, dass man sich von dem Plan, der eine Erweiterung der Demo-Meile ins Bankenviertel vorsieht, vorerst distanziert habe, denn man wisse sehr wohl, dass die Regierung Pläne habe, die sie im Falle einer Silom Rd. Besetzung umsetzen möchte. "Wir werden solange auf der Kreuzung Rajprasong bleiben, bis das Parlament aufgelöst ist", sagte Weng.

Derweilen berichtete der amtierende Regierungssprecher Panitan Wattanayagorn, dass man 31 Personen, die im Verdacht stünden, die regierungsfeindlichen Demonstrationen zu finanzieren, zu einer persönlichen Vernehmung vorgeladen habe. "Sollten die Verdächtigen nicht bei den Behörden erscheinen, werden wir Haftbefehle für sie ausgestellen lassen", sagte der Regierungssprecher. Laut Panitan haben 21 Personen (...Motorradtaxifahrer, Geschäftsleute und Politiker) die CRES kontaktet, um wichtige Informationen über die Rothemden zu liefern. Des weiteren sagte er, die CRES habe Hotels und andere Betriebe rings um Silom, Pathumwan, Ratchathewi und Ratchaprasong aufgefordert, den "UDD"-Führern keinen Unterschlupf zu gewähren.

...22. Aprill 2010:
Eine Serie von insgesamt fünf Explosionen erschütterte am Abend an drei Stellen das Bangkoker Geschäftsviertel Silom (...BTS Sky Train Station "Sala Daeng", "Dusit Thani Hotel" und "Sri Ayudhya Bank").
Die ersten drei Explosionen fanden an der "Sala Daeng Station" des BTS Sky Train in der Nähe des "Skywalks" statt, wo vor allem Truppen, BTS Angestellte, sowie Mitarbeiter der Medien anwesend waren. Über 30 Menschen wurden bei den Explosionen verletzt, 4 davon Ausländer.
Laut Skytrain Betreiber BTS wurde der Verkehr auf 4 Stationen ausgesetzt: • Sala Daeng, Rajdamri, Siam und National Stadium

Die nächste Bombe explodierte dann gegen 20.50 Uhr in der Nähe vom "Dusit Thani Hotel", am Anfang der Silom Road. Eine weitere Explosion fand um 21.00 Uhr am Sitz der "Sri Ayudhya Bank" an der Silom Road statt und verletzte mehr als 20 Personen.
Truppen sperrten das Gebiet weitläufig ab. Die Verletzten wurden in die nahe liegenden Krankenhäuser eingeliefert. Nach ersten Ermittlungen wurden die Explosionen durch M79 Granatwerfer verursacht..

...25./26. April 2010:
Am Abend des 25. 04. explodierte ein weiterer Sprengsatz; diesmal wurde das Haus des ehemaligen "Chat Thai" Parteichefs Banharn getroffen. Acht Menschen wurden bei dem Angriff verletzt.

In einer Fernsehansprache teilte Premierminister Abhisit in Anwesenheit von Armeechef Anupong mit, dass man das Ratchaprasong-Viertel definitiv zurückholen werde, vermied aber gleichzeitig eine zeitliche Festlegung.
Die "Red-Shirts" hatten mit einem Angriff in der Nacht zum 26. April gerechnet, und zu diesem Zweck eine neue Taktik zum Einsatz gebracht: Erstmalig seit Beginn der Demonstrationen hatten sie sich von der für sie charakteristischen roten Kleidung getrennt, und waren stattdessen auf gemischte unauffälligere Farben umgestiegen.
Einer der "UDD"-Führer erklärte, dass man mit dieser Strategie zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen könne: Zum einen trage der Kleidungswechsel dazu bei, dass ungehindert weitere Demonstranten aus den Provinzen nach Bangkok strömen könnten, während zum anderen ein unerkanntes Untertauchen im Falle eines Eingreifens der Beamten erleichtert werde.

Zwischenzeitlich hatte die "UDD"-Führung ihre Drohung wahr gemacht, und die Proteste auch auf andere Provinzen wie Udon Thani, Pathum Thani, Phayao und Ubon Ratchathani ausgeweitet. Dabei ging es der "UDD" in erster Linie darum zu verhindern, dass Einheiten der Polizei zur Verstärkung nach Bangkok gelangen.
So besetzten z.B. 200 Demonstranten in der "Red-Shirt-Hochburg" Udon Thani einen Highway, und hinderten etwa 180 Polizisten in 10 Fahrzeugen daran Richtung Bangkok zu reisen. Nachdem weitere 150 "Red-Shirts" eintrafen, gaben die Beamten auf, und kehrten um.
Am Morgen des 26. April blockierten etwa 100 Demonstranten aus Phitsanulok den Eingang zum Hauptquartier der 31. Grenzschutzpolizei im Feldlager Chao Phraya Chakri in der Provinz Phitsanulok. Nach einer fünfstündigen Blockade und einer anschließenden Prügelei gelang es den Beamten jedoch die Sperre zu durchbrechen.
Gegen Mittag wurden 14 Polizeifahrzeuge aus Lop Buri von "Red-Shirts" in der Provinz Ayutthaya festgesetzt.
In der östlichen Provinz Chachoengsao belagerten ca. 200 Demonstranten das Polizei-Hauptquartier, indem sie die Einfahrten des Gebäudes mit 15 Minibussen zuparkten.

Kräftemessen: der Kampf auf dem Highway

...28. April 2010:
Am frühen Nachmittag hatten etwa 2000 Demonstranten die Demo-Meile in der Innenstadt verlassen, um in einem Auto- und Motorradkonvoi nach Pathum Thani zu fahren. Dort sollte dann eine weitere Protestkundgebung stattfinden, in der man für mehr Support für die "Red-Shirts" werben wollte, und die Bevölkerung dazu auffordern wollte, sich an den Blockierungen diverser Zufahrtsstraßen zu beteiligen, um so zu verhindern, dass die Polizei in Bangkok Verstärkung erhält.

Auf einen Highway in der Nähe des alten Flughafens Don Mueang stellten sich den Demonstranten jedoch hunderte von Sicherheitskräften entgegen. Um ca. 14:00 Uhr kam es zu heftigen Auseinandersetzungen. Die Soldaten schossen erst in die Luft, später dann mit Gummigeschossen auf die – zumindest teilweise – bewaffneten "Red-Shirts". Diese erwiderten das Feuer, und warfen zudem Steine und Feuerwerkskörper auf Polizei und Soldaten.
Gegen etwa 15:00 Uhr wurden die Kämpfe von starken Regenfällen erschwert.
Um ca. 17:00 Uhr gaben die "Red-Shirts" ihr Vorhaben auf, und kehrten zurück zu ihrer Demo-Meile im Bangkoker Geschäftsviertels Ratchaprasong.
Traurige Bilanz des Nachmittags: 18 Verletzte und ein toter Soldat.

Zwischenzeitlich hatten die "Red-Shirts" ein Hilfsappell an die Europäische Union gesendet. In einem Brief an die EU-Botschaft in Bangkok baten sie dringend um die Entsendung von EU-Beobachtern, da die Regierung mit Gewalt gegen unschuldige Demonstranten vorgehe. Eine Woche vorher hatte man bereits die Entsendung einer UN-Friedenstruppe angefordert.

Ein neuer Kompromissvorschlag der Regierung

...03./04. Mai 2010:
gegen Abend machte Premierminister Abhisit in einer Fernsehansprache der "Red-Shirt"-Führung ein weiteres Angebot in Form eines "Fünf-Punkte-Plans". Der Plan sah unter anderem vor, dass schon am 14. November 2010 Neuwahlen stattfinden könnten. Dies sei Teil eines Konzeptes zur Aussöhnung, sagte der Premierminister in seiner Rede. Es könne allerdings nur gemeinsame Lösungen geben, wenn die "Red-Shirts" auch Kompromissbereitschaft zeigen würden.
Er werde seinen Versöhnungsplan aber auch dann umsetzen, wenn die "UDD" ihre Blockadehaltung fortsetzen würde. Dann allerdings könne er noch keinen Termin für Neuwahlen festsetzen, sagte PM Abhisit.

Der "Fünf-Punkte-Plan" sollte als Vorraussetzung für Neuwahlen am 14. November (... sowie einer vorhergehenden Parlamentsauflösung Ende August oder Anfang September) dienen. Er sollte gewisse Rahmenbedingungen festlegen, denen alle Verhandlungsteilnehmer zustimmen müssten. Dabei ging es um folgende Inhalte:

  1. Die Monarchie muss von allen Parteien respektiert und beschützt werden.
  2. Eine neue nationale Reform soll politische und soziale Ungerechtigkeiten aufheben. Außerdem sollen Bildung und Gesundheitswesen gefördert werden.
  3. Die Grundsätze des Rechts auf freie Meinungsäußerung müssen beachtet werden, aber die Medien müssen die volle Verantwortung für Berichterstattungen übernehmen, die nur dazu dienen, Konflikte in der Gesellschaft zu verschärfen.
  4. Ein unabhängiges Komitee soll gegründet werden, um sich mit den Vorfällen des 10. Aprils sowie der Stürmung bzw. Blockade des Chualongkorn Hospitals zu beschäftigen.
  5. Die Verfassung muss in mehreren Punkten überarbeitet werden. Die Ergebnisse müssen für alle Parteien akzeptabel sein.

Nach einem Treffen der "UDD"-Führung am Dienstag, den 04. Mai, erklärte "UDD"-Vorsitzender Veera Musikhapong gegen Abend, man habe einstimmig dafür gestimmt, sich dem Versöhnungs-Plan des Premierministers anzuschließen.
Die "UDD" fordere jedoch, dass vom Premierminister ein genauer Zeitrahmen für die Parlamentsauflösung vorgegeben werden sollte. Die Festsetzung des Wahltermins könne er dagegen der Wahlkommission überlassen. Ausserdem müsse die Regierung sofort jegliche Art von Einschüchterung gegen die "Red-Shirt" Demonstranten beenden. Eine Amnestie der Führer gegen die Vorwürfe des Terrorismus und der Majestätsbeleidigung strebe man nicht an, und sei bereit sich den Vorwürfen zu stellen.
"UDD"-Generalsekretär, Natthawut Saikua teilte ausserdem mit, dass die "Red-Shirts" erst dann abziehen würden, wenn der Premierminister einen eindeutigen Zeitrahmen genannt habe.

Terror und Gewalttätigkeiten übernehmen die Oberhand

...07. Mai 2010:
trotz des vorgeschlagenen Friedensplans kam es Freitag Nacht auf Bangkoks Straßen erneut zu Terror-Aktionen, bei denen insgesamt 2 Polizisten getötet und 12 weitere Menschen verletzt wurden.
Laut Maj-Gen Prawut Thavornsiri, dem Sprecher der Polizei-Einsatzzentrale, wurden 3 Granaten vom Typ M-79 auf einen mit Polizisten und Soldaten bemannten Sicherheits-Checkpoint vor dem Lumpini Park abgefeuert.
Der Bangkok Emergency Medical Service berichtete, dass ein 35 jähriger Polizist nach dem Angriff während einer Notoperation starb. Weitere 5 Polizisten sowie 3 Soldaten wurden bei den Explosionen verletzt.

Ein weiterer Polizist wurde zuvor in der Nähe des schwerbewachten Bankenviertels in Silom getötet, als ein vorbeifahrender Mann auf einem Motorrad das Feuer auf eine Polizei-Patrouille eröffnete. 4 weitere Personen (...2 Polizisten und 2 Zivilisten) wurden bei dem Anschlag, der sich gegen ca. 23:00 Uhr vor der Krung Thai Bank in der Nähe der Sala Daeng Kreuzung ereignete, verletzt. "Zwei Polizisten wurden bei den Vorfällen Freitag Nacht getötet. Ich denke, dass jemand verhindern möchte, dass die Proteste enden", sagte Maj-Gen Prawut Thavornsiri.
Die "Red-Shirt"-Führer bestritten am Samstag jegliche Beteiligung an den Terror-Anschlägen, und forderten Premierminister Abhisit auf, die Sicherheitskräfte im Silom Viertel zurück zu ziehen, um den Plan der Versöhnung weiter voran zu treiben.
"Die Red-Shirt Demonstranten verfolgen weiterhin eine Politik der Gewaltlosigkeit, und haben mit den Anschlägen der letzten Nacht nichts zu tun", sagte Weng Tojirakarn, einer der Führer der Bewegung. Polizeichef Pateep Tanprasert forderte dagegen Verstärkung für das Gebiet und eröffnete am Samstagmorgen eine Krisensitzung.

Die "Red-Shirts"kündigten an, solange in dem besetzten Viertel hinter ihren Barrikaden aus angespitzten Bambusstangen, Stacheldraht und Kraftstoff getränkten Reifen zu verweilen, bis der Premierminister den Stichtag für die Auflösung des Parlaments bekanntgeben wird.
Währenddessen hatte die als "Yellow Shirts" bekannte "PAD" Fraktion, die Road Map des Premierministers abgelehnt, und den Rücktritt Abhisits gefordert. Ausserdem forderten sie die Ausrufung des Kriegsrechtes.
Auch die gemäßigtere "Multi-Coloured-Group" war mit dem "Fünf-Punkte-Plan" der Regierung nicht einverstanden, und forderte eine Rücknahme des vorgezogenen Wahltermins.

...12. Mai 2010:
Oberst Sansern Kaewkamnerd – Sprecher des Zentralen Krisenstabes CRES – erklärte im TV, dass die Behörden ab Mittwoch gegen Mitternacht den "Red-Shirts" an der Ratchaprasong Wasser, Strom und Telefonempfang sperren würden, um die regierungsfeindliche Demonstration aufzulösen, und die Demonstranten dazu zu bewegen, nach Hause zu reisen. Ausserdem werde man den Nachschub an Lebensmitteln blockieren.
Die Einwohner der Region, hätten darunter leider auch zu leiden, und müssten gewisse Beschränkungen in Kauf nehmen, fügte Sansern hinzu.
"UDD"-Führer Korkaew Pikulthong erklärte daraufhin, die Demonstranten verfügten über eine ausreichende Anzahl an Generatoren. Außerdem würde man die Wasserleitungen der Botschaften Großbritanniens und der USA anzapfen.
"UDD"-Führer Weng Tojirakarn erklärte, die "UDD" werde sich nicht zurückziehen, bevor sich der stellvertretende Premierminister Suthep Thaugsuban der Polizei gestellt habe, um sich selbst mit den Ermittlungen – des Verdachtes der Verstrickung der Auseinandersetzungen zwischen Soldaten und Demonstranten am 10. April – zu konfrontieren.
"Kein Red-Shirt hat Angst vor den Drohungen, uns Wasser und Strom abzustellen. Wir werden mit bloßen Händen gegen die Soldaten kämpfen, auch wenn diese auf uns feuern", sagte Weng.

Premierminister Abhisit hatte zuvor angedeutet, dass die Entscheidung der "UDD", an der Ratchaprasong-Kreuzung weiter zu demonstrieren, gleichbedeutend mit einer Ablehnung seines Versöhnungsplanes vom 03. Mai sei. "Falls sich die Situation im Lande nicht normalisiert, dann hat das auch Auswirkungen auf den Termin der Wahlen. Die Demonstrationen sollten am 12. Mai enden", sagte Abhisit. Ausserdem wurde von Seiten des Zentralen Krisenstabs CRES berichtet, dass der Beginn des neuen Schulsemesters ein weiterer Grund sei, die Region zu räumen.
Allerdings habe man nicht vor, die Demo-Meile zu stürmen. Neue Pläne der Armee sähen vor, die Fläche abzuriegeln und so zu verhindern, daß weitere "Red-Shirts" sich dazugesellen könnten.
Währenddessen erklärten die "UDD"-Führer Natthawut Saikua und Jatuporn Prompan den "Red-Shirt" Aktivisten, dass die Demo weitergehen werde, bis sich der stellvertretende PM Suthep der Polizei wegen schweren Verbrechen gestellt habe. Ein Erscheinen bei der DSI akzeptiere man nicht, da die DSI Teil des CRES sei und somit Suthep unterstehe.
Polizei-Generalmajor Amnuay Nimmano – der stellvertretende Polizeichef Bangkoks – versicherte dagegen, dass Sutheps Erscheinen bei der DSI rechtmäßig gewesen sei, da die DSI inzwischen die Ermittlungen über die Ausschreitungen vom 10. April 2010 übernommen habe.

...13. Mai 2010:
Nachdem Soldaten am Abend damit begonnen hatten, den Versammlungsort der "Red-Shirts" in Bangkok abzuriegeln, kam es erneut zu gewaltsamen Auseinandersetzungen.
Truppen schossen mit Tränengas und Gummigeschossen auf demonstrierende "Red-Shirts" in der Nähe des U-Chuliang-Gebäudes an der Rama IV, nachdem diese die Soldaten mit Steinen und Flaschen beworfen hatten. Ein Mann starb und zahlreiche Personen wurden verletzt.

Ausserdem wurde bei den Unruhen der zu den "Red-Shirts" übergelaufene General Khattiya Sawasdipol während eines Interviews mit ausländischen Journalisten gegen etwa 19:20 Uhr von einem Schuss in den Kopf getroffen. Eine Ambulanz brachte den Schwerverletzten in die Intensivstation der Hua-Chiew-Klinik, wo er einige Tage süäter seinen Verletzungen erlag. Die "UDD" macht Scharfschützen des Militärs für den Schuss verantwortlich.

Anmerkung: der 58jährige General Khattiya Sawasdipol, war als gewaltbereiter, radikaler Hardliner bekannt, der schon mehrfach im Fokus der Ermittler stand. Er galt bei allen taktischen und strategischen Fragen als Berater der "Red-Shirt"-Führung, wobei seine Vorgehensweise nicht immer mit der Einstellung der gemäßigteren Führer vereinbar war. Zwischenzeitlich planten Militär und Regierung, ihm den Rang als General abzuerkennen, was sich nicht einfach gestalten würde, da dieser Vorgang vom König persönlich abgesegnet werden müsste. Angeblich wurde in der Geschichte der thailändischen Armee jedoch noch nie ein General degradiert. Zuletzt geriet Khattiya (...in Thailand besser bekannt als "Sae-Daeng") unter Verdacht, als Drahtzieher hinter den durch Granaten und Bomben verursachten Terroranschlägen in Bangkok zu stehen.

...14. Mai 2010:
nachdem die thailändischen Behörden einen neuen Termin zur Abriegelung der von Demonstranten besetzten Ratchaprasong-Kreuzung gesetzt hatten, kochten die Unruhen wieder einmal über.
Um die Absperrung zu verhindern, brachen kleinere Gruppen von "Red-Shirts" immer wieder aus ihrem Lager aus und griffen die Soldaten mit Steinen, Flaschen, Steinschleudern, Molotow-Cocktails, und Feuerwerkskörpern – die mit scharfen Bambusspitzen gespickt waren – an. Die Soldaten antworteten anfangs noch mit Gummigeschossen, Tränengas und Wasserwerfern. Doch als erneut Granaten detonierten, setzten die Soldaten auch scharfe Munition ein.

Die Regierung erklärte, man sei inzwischen gezwungen einzugreifen, da die Demonstranten zum wiederholten male ein von Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva gestelltes Ultimatum zur Räumung der Kreuzung bis zum Mittwoch ignoriert hätten.
Panitan Wattanayagorn, der amtierende Regierungssprecher sagte am 14. Mai zu Reportern, dass die Truppen pflichtgemäß dem Einsatzbefehl gefolgt seien, der ihnen aber auch erlaube scharfe Munition zu verwenden, um sich und ihre Kameraden zu verteidigen. Er versichere sowohl den Einwohnern als auch den Ausländern in Bangkok, dass die Streitkräfte nicht die Absicht hätten irgendjemandem zu schaden.
Angestellte der unter Hochdruck arbeitenden Krankenhäuser bestätigten, dass insgesamt 16 Personen bei den Konfrontationen am Freitag in Bangkok starben. 157 Menschen wurden verletzt — darunter auch ein Pole, ein Kanadier, ein Libyer und ein Burmese.

Neues Ultimatum erfolglos abgelaufen

...16./17. Mai 2010:
der Ausnahmezustand, den die Regierung am 13. Mai über 15 Provinzen in Thailand verhängt hatte, wurde am 16. Mai auf weitere 5 Provinzen übertragen. Betroffen waren am 13. Mai: Ayutthaya, Chaiyaphum, Chiang Mai, Chiang Rai, Chonburi, Khon Kaen, Lampang, Nakhon Ratchasima, Nakhon Sawan, Nan, Nonthaburi, Pathum Thani, Samut Prakan, Si Saket und Udon Thani. Bei den 5 nachgezogenen Provinzen handelte es sich um Maha Sarakham, Nongbua Lamphu, Roi Et, Sakon Nakhon und Ubon Ratchathani.

Premierminister Abhisit teilte derweilen mit, dass das Militär keine andere Wahl mehr habe, als hart durchzugreifen. Alle Angebote der Regierung seien von den "Red-Shirts" abgelehnt oder durch uneinlösbare Gegenbedingungen blockiert worden. Ausserdem befänden sich Terroristen unter den Demonstranten, die die geplante Road-Map zur Versöhnung mit Anschlägen sabotieren wollten. Er sehe daher momentan keine Chance für eine friedliche Lösung.

BBC-Interview mit Regierungssprecher Panitan Wattanayagorn, nach Ablauf des Ultimatums am 17. Mai/15:00 Uhr

Der Premierminister kündigte zwei arbeitsfreie Tage in Bangkok an, den 17. und 18. Mai. Er bat die Anwohner des besetzten Viertels an diesen Tagen möglichst zu Hause zu bleiben (...am 18. Mai wurde bekannt gegeben, dass die arbeitsfreien Tage bis zum 21. Mai verlängert würden). Alle Schulen Bangkoks blieben vorerst geschlossen.
Den Demonstranten wurde ein letztes Ultimatum gestellt, das besagte, wer sich bis zum 17. Mai gegen 15:00 den Sicherheitskräften stelle, der müsse nur damit rechnen, dass seine Personalien aufgenommen würden. Wer danach weiter im besetzten Viertel verharren würde, müsse mit bis zu 2 Jahren Haft rechnen. Die Bedingungen des Ultimatums wurden auf Flugzetteln von einem Flieger über der Demo-Meile abgeworfen.

In der Nacht zum 17. Mai wurde das Bangkoker Luxushotel "Dusit Thani" das Ziel von Terrorangriffen und geriet unter starken Beschuss. Nach Informationen eines Journalist von AFP, der sich ebenfalls in dem Hotel befand, fanden die etwa 100 Gäste und Angestellte im Keller des Hotels Zuflucht.
Am Montag, den 17. Mai meldete sich Thaksin Shinawatra wieder einmal zu Wort. In einer dramatisch formulierten Mitteilung rief er die verfeindeten Parteien eindringlich dazu auf, von "diesem entsetzlichen Abgrund" zurückzuweichen und einen "neuen, ernsthaften und ehrlichen Dialog" aufzunehmen.
Das zwischenzeitlich abgelaufene Ultimatum der Regierung wurde von der "Red-Shirt"-Führung nicht akzeptiert. Der Ruf der Demonstranten nach einem UN-Vermittler und einem Abzug der Truppen wurde von der Regierung abgelehnt. Zumindest konnte man sich schon mal darauf einigen, dass Frauen und Kinder die besetzte Zone auf Wunsch verlassen dürfen, um sich im nahe gelegenen Wat Prathumwanaram in Sicherheit zu bringen. Eine Bedingung stellten die Mönche des Tempels allerdings: die Demonstranten dürften keine Waffen mit in den Tempel bringen.

Eskalation nach Kapitulation

...19. Mai 2010:
• in der frühen Morgenstunden begannen bewaffnete Truppen, die Barrikaden vor dem besetzten Geschäftsviertel einzureißen. Mit gepanzerten Fahrzeugen und Wasserwerfern bezogen sie zunächst im Umkreis des "Red-Shirt"-Camps Stellung und setzten dann Tränengas ein, um weiter vorzurücken. Dabei kam es zu erbitterten Kämpfen. Über tausend Demonstranten hatten sich nach wie vor in dem umkämpften Viertel verschanzt.

• Tausende von "Red-Shirts" in den "UDD" Hochburgen Udon Thani und Khon Kaen zeigen ihre Solidarität mit den Demonstranten in Bangkok indem sie die Rathäuser stürmen, und Teile der Gebäude in Brand setzen.
• Gegen 13:30 Uhr wurden auf mehreren thailändischen TV-Sendern die Ansprachen der "Red-Shirt" Führer Jatuporn und Natawut übertragen, in denen sie den Demonstranten die Kapitulation nahelegen. Sie erklärten, dass sie sich den Behörden stellen wollten und baten ihre Anhäger, die Angebote der Regierung zu akzeptieren und mit den bereitgestellten Bussen nach Hause zu fahren, um weiteres Blutvergießen zu vermeiden. Die Demonstranten antworteten mit lautstarken Zwischenrufen und hysterischen Schreien, und lehnten die Vorschläge Ihrer Führer ab.
• Kurz nach 14:00 Uhr wurden Terroristen der "Red-Shirt" dabei beobachtet, wie sie versuchten, das Central-World-Einkaufszentrum in Brand zu stecken.
Die Buslinien in Bangkok hatten ab Nachmittag den Betrieb eingestellt, nachdem einige Busse von außer Kontrolle geratenen "Red-Shirts" gekapert worden waren.

• Am Nachmittag fasste Armeesprecher Oberst Sansern Kaewkamnerd (siehe oben) den aktuellen Stand der Dinge in einer Fernsehübertragung zusammen:

  1. 05:45 Uhr: Die Armee beginnt damit, den Lumpini-Park bei Sala Daeng und die anliegenden Gebiete unter Kontrolle zu bringen.
  2. 07:15 Uhr: Lumpini-Park ist unter Kontrolle; man beginnt sich zur Demo-Meile an der Ratchaprasong vorzuarbeiten.
  3. 13:15 Uhr: Sicherheitskräfte haben das gesamte Gelände um die Demo-Meile unter ihrer Kontrolle. Die Rothemden-Führer verkündeten ihre Kapitulation.
  4. 14:00 Uhr: das Militär stellt die Aktivitäten gegen das besetzte Gebiet ein. Die Demonstranten werden aufgefordert, das Gelände zu verlassen und die kostenlosen Transportmöglichkeiten beim National-Stadium für die Heimreise zu nutzen.

• Noch während der Übertragung begannen die – mit der Entscheidung ihrer Anführer unzufriedenen – "Hardcore-Red-Shirts" an der Sala-Daeng-Kreuzung mit der Zerstörung von Telefonzellen, Werbetafeln, Verkehrsampeln, etc...
• Gegen etwa 15:00 Uhr wurden die Angestellten der englischsprachigen Bangkok Post angewiesen, das Gebäude in Klong Toey zu verlassen, da sich "Red-Shirts" an der nahegelegenen Kreuzung versammelten und die Na-Ranong-Road in Richtung auf das nahe liegende Gebäude der Bangkok Post marschierten (...das Gebäude der BP beinhaltet auch die Zeitung "Post Today" in thailändischer Sprache).

• Nachdem Terroristen der "Red-Shirt" gegen 14:20 Uhr Molotow-Cocktails in den ersten Stock des Central World geworfen hatten und M79 Granaten auf das Gebäude abgeschossen hatten, ging das Shopping-Center in Flammen auf (...siehe Fotos oben und unten).

• Etwa zeitgleich wurde ein 7-Eleven Shop an der Din-Daeng-Kreuzung von den Demonstranten abgefackelt.
• Gegen ca. 15:15 Uhr wurde die Belegschaft der englischsprachigen Zeitung "The Nation" nach Hause geschickt, nachdem berichtet worden war, daß wütende Demonstranten im Anmarsch seien, um das Büro wegen angeblich einseitiger Berichterstattung zu attackieren.
• Der Krisenstab kündigte im Thai-TV auf allen Sendern eine Ausgangssperre zwischen 20:00 und 06:00 Uhr für 24 Provinzen in Thailand an (…5 Provinzen im Norden, 12 Provinzen im Nordosten/Isaan, 7 Provinzen in der Zentralregion (incl. Ostregion).
• Der Fernsehsender Channnel 3 – der sich in der Nähe an der Rama IV im Maleenont-Gebäude befindet – stellte ebenfalls den Sendebetrieb ein, nachdem das das Gebäude von "Red-Shirts" angegriffen worden war.
Ein Angestellter sagte, dass Autos angezündet worden seien, und Demonstranten in das Gebäude von Channel 3 eingedrungen seien.
Das Gebäude der thailändischen Börse war ebenfalls angezündet worden.
• Insgesamt wurden von randalierenden "Red-Shirt"-Demonstranten bzw. Terroristen folgende Gebäude in Bangkok in Brand gesetzt:

  1. Siam Square’s Siam Theatre
  2. Centara hotel in Ratchaprasong
  3. SET building
  4. Mahathun Plaza Building
  5. Maleenont Building
  6. Bangkok Bank (BBL) Asoke branch
  7. BBL Din Daeng branch
  8. BBL Rama IV branch
  9. BBL Victory Monument branch
  10. BBL Sukhumvit 83 branch
  11. BBL Sathupradit branch
  12. BBL Thanon Chan branch
  13. BBL Saphan Luang branch
  14. BBL Klong Toey branch
  15. BBL Hua Lampong branch
  16. Klong Toey office of the MEA
  17. Krung Thai Bank (KTB) Asoke branch
  18. KTB Sala Daeng branch
  19. KTB Sukhumvit branch
  20. GSB Din Daeng branch
  21. Office of Narcotics Control Board building in Din Daeng
  22. Central World
  23. Kasikornbank Ngam Duplee branch
  24. Kasikornbank Victory monument branch
  25. Siam City Bank (SCIB) Din Daeng branch
  26. SCIB Penang branch
  27. Center One shopping centre
  28. Noodle shop at Victory Monument
  29. Gold shop at Victory Monument
  30. 7-Eleven in Din Daeng
  31. Lotus Express Rama IV
  32. Dok Ya Book store at Victory Monument
  33. Watson shopping mall at Victory Monument
  34. Police booth on Rama III road

• Insgesamt gab es laut Thai-TV am 19. Mai im Rahmen der Ausschreitungen 6 Tote und 59 verletzte Personen.

Premierminister Abhisit möchte an Versöhnungsplan festhalten

...21. Mai 2010:
Premierminister Abhisit verkündete in einer landesweit auf allen Fernsehsendern ausgestrahlten Ansprache, dass er weiterhin an seinem "5-Punkte-Plan", der zu einer langfristigen Versöhnung des Landes führen soll, festhalten möchte.

"Wir alle leben doch in dem selben Haus. Jetzt, da unser Heim beschädigt ist, müssen wir zusammenhalten und einander helfen", appellierte der Premierminister an die Bürger Thailands.
Des weiteren sagte PM Abhist, dass die Heilung der seelischen Wunden und die Wiederherstellung der Eintracht innerhalb der thailändischen Bevölkerung wesentlich wichtiger sei, als der Wiederaufbau von Gebäuden und Infrastruktur. Die jüngsten Gewaltakte müsse man zu den schlimmsten Episoden rechnen, die Thailand jemals erlebt habe.

Der Versöhnungsplan des Premierministers soll helfen, dass Land zur Normalität zurück zu führen. Voraussetzung: alle Parteien müssen sich bei den folgenden fünf Punkten einig werden.

  1. Die Monarchie muss uneingeschränkt respektiert und geschützt werden.
  2. Eine neue nationale Reform soll politische und soziale Ungerechtigkeiten entsorgen. Außerdem sollen Bildung und Gesundheitswesen gefördert werden.
  3. Die Grundsätze des Rechts auf freie Meinungsäußerung müssen geachtet werden, aber die Medien müssen die volle Verantwortung für Berichterstattungen übernehmen, die nur dazu dienen, Konflikte in der Gesellschaft zu verschärfen.
  4. Ein unabhängiges Komitee soll gegründet werden, um sich mit den gewalttätigen Ereignissen – die während der Proteste zu zahlreichen Toten und Verletzten führten – zu beschäftigen.
  5. Die Verfassung muss in mehreren Punkten überarbeitet werden. Die Ergebnisse müssen für alle Parteien akzeptabel sein.

Auf die Forderung nach vorgezogenen Neuwahlen ging der Premierminister während seiner Rede nicht ein. Allerdings erklärte Finanzminister Korn Chatikavanij später, dass die notwendige Sicherheit für Wahlen gegenwärtig nicht gewährleistet werden könne. Die erhitzten Gemüter müssten sich erst wieder beruhigen, damit die Parteien einen sicheren Wahlkampf im ganzen Land führen könnten.

Premierminister Abhisits Generalsekretär Korbsak sprach von sechs bis sieben Millionen "Red-Shirts", die es in Thailand angeblich gibt. Um diesen entgegen zu kommen erwäge man, 200 "rot-orientierten" Politikern, denen in den vergangenen Jahren wegen diverser Vergehen für fünf Jahre politische Aktivitäten untersagt wurden, eine vorzeitige Amnestie zu gewähren. Das gelte allerdings keinesfalls für den strafrechtlich gesuchten, flüchtigen Ex-Premierminister Thaksin Shinawatra, gegen den am 25. Mai von einem Gericht in Bangkok jetzt auch noch ein Haftbefehl wegen Anstiftung zum Terrorismus ausgestellt wurde.
Während der ca. zweimonatigen "UDD"-Demonstrationen kamen mehr als 80 Menschen ums Leben, etwa 1800 wurden verletzt. Inzwischen sind die Proteste zumindest offiziell beendet, und Bangkok kann sich endlich darum kümmern "seine Wunden zu lecken" (siehe Video).

Doch der von den "Red-Shirt"-Führern gesäte Hass wird sich auch mit Hilfe des "5-Punkte-Planes" des Premierministers nicht so einfach aus der Welt schaffen lassen. Schließlich wurde hier monatelang während der täglichen Bühnen-Auftritte systematische Volksverhetzung betrieben – wobei die Kampfreden der "UDD"-Führer nicht selten in offenen Aufforderungen zu Terrorakten, Zerstörungen und Gewaltanwendungen gipfelten. Dabei schien man vor lauter Selbstherrlichkeit allerdings übersehen zu haben, dass gewisse dokumentierte Aussagen bei einem Scheitern der Revolte sehr ernsthafte rechtliche Konsequenzen mit sich bringen könnten.
Die beiden folgenden Videos geben einige der markantesten Aussagen zum Thema "Anstiftung zu Terrorismus und Gewalttätigkeiten" wieder — und das sogar mit englischen Untertiteln:

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