Der dienstälteste Monarch der Welt –
König Bhumibol Adulyadej

Familie, Religion und Monarchie genießen in Thailand absolute Loyalität und Unantastbarkeit.

Für Ihre Königsfamilie – und besonders den König an sich – empfinden die Thais eine Hochachtung, die durchaus religiöse Züge trägt, und für viele Menschen (besonders aus Europa oder den USA) nicht so ganz einfach nachzuvollziehen ist.
Betrachtet man die verbliebenen Herrschaftshäuser Europas, so kann man auch durchaus verstehen, dass heute viele Europäer kein so inniges Verhältnis zu ihren Königshäusern- und Familien entwickeln können. Untätigkeit, Farblosigkeit und Skandale haben dafür gesorgt, dass Scherze und Kritik an den Monarchen – und deren Familien – nicht nur bei der Bevölkerung, sondern auch in den Medien an der Tagesordnung sind.

Abgesehen davon, dass es völlig falsch und unfair wäre, die thailändische Königsfamilie mit derartigen Attributen in Verbindung zu bringen, sind Witze über die Monarchie in Thailand undenkbar.
Die Unterwürfigkeit, mit der selbst thailändische Politiker und Militärs von hohem Rang ihrem König begegnen, beweist das allzu deutlich. Wenn der König (thailändische) Besucher empfängt, so sitzen diese während der Audienz zu Füssen des Königs auf dem Boden. Der König sitzt währenddessen auf einem Thron – oder wenn es weniger offiziell ist, auf einer Art Polsterbank.
Dazu kommt, dass die gesamte Königsfamilie von (thailändischen) Besuchern in einer besonderen Sprache – dem "Rachasap" – angesprochen wird. Hier werden Redensarten verwendet, die zu einem großen Teil aus der Khmer-Sprache übernommen worden sind – und deren ursprüngliche Entwicklung dazu dienen sollte, eine Anredeform für Götter oder Engel parat zu haben. Beispiel: "Ich, der ich nichts als Staub unter Euren Füssen bin".

In fast jedem Thai-Haushalt hängt mindestens ein Bild vom Königspaar. In manchen ist gleich eine ganze Galerie an Königsbildern vorzufinden. Ebenso beliebt sind Autoaufkleber, gelbe Polohemden und gelbe Armbänder mit dem Aufdruck "Wir lieben den König". Viele dieser Accessoires werden vom Königspalast verkauft, um die Projekte des Königs – zur Verbesserung der Lebensqualität der Bevölkerung – mit zu finanzieren (z.B. effektivere Landwirtschaft, bessere Regennutzung, etc...).
Abgesehen von den abendlichen Königsnachrichten, die täglich gegen 20:00 Uhr von allen thailändischen TV-Sendern ausgestrahlt werden, läuft im Kino vor jedem Hauptfilm eine Hommage – in Form eines Spots – an den König. Häufig werden in diesen Spots seine bekanntesten Projekte (...z.B. das "Regenprojekt") in kurzen Bildern präsentiert. Alle Kinobesucher werden vor der Ausstrahlung per Text darum gebeten, dem König ihren Respekt zu bekunden. Im Klartext heißt das, die Besucher werden aufgefordert sich zu erheben und stehen zu bleiben, bis der Spot zu ende ist. Es wird auch von Ausländern erwartet, sich dieser Tradition – ohne wenn und aber – anzuschließen.

Man muss nicht besonders viel Fantasie besitzen, um sich vorstellen zu können, dass – bei dem Maße an Respekt und Verehrung, den die Thais der Königsfamilie entgegenbringen – abwertendes, überhebliches Gequatsche zu diesem Thema nur Scherereien bringt. Und zwar Scherereien, die alles andere als lustig sind, denn Majestätsbeleidigungen sind nach thailändischem Strafgesetzbuch verboten, und werden mit knallharten Strafen geahndet (...wobei die Grenzen zwischen den Begriffen "mangelnder Respekt" und "Majestätsbeleidigung" fließend sind).
Der eigentliche Vorwurf der Majestätsbeleidigung wird dabei auch nicht vom König oder vom Hofe erhoben, sondern von Politikern bzw. Staatsanwälten und anschließend von den Polizeiorganen verfolgt. So kommt es denn leider auch dazu, dass der Begriff Majestätsbeleidigung in der thailändischen Politik und Wirtschaft häufig missbraucht wird, um unliebsame Gegner zu diffamieren bzw. auszuschalten.
Selbstverständlich gelten die Gesetze des Landes auch für Ausländer, die sich kurz- oder langfristig dort aufhalten. Diese Erfahrung musste im Dezember 2006 der Schweizer Oliver Jufes machen. Nachdem er in stark alkoholisiertem Zustand mehrere Portraits des Königs beschmiert hatte, verurteilte ihn ein Gericht im März 2007 zu 10 Jahren Gefängnis. Letztendlich hatte er großes Glück: Bereits ca. 14 Tage später wurde er vom König persönlich begnadigt, entlassen – und unmittelbar des Landes verwiesen.
Die bekannte Website YouTube wurde kurzfristig von der thailändischen Regierung gesperrt, nachdem dort Videos aufgetaucht waren, die sich über den König lustig machten.
Im übrigen ist es auch eine Art von Majestätsbeleidigung – vor dem Hauptfilm im Kino – während der Hommage an den König sitzen zu bleiben.
Und auch das Treten auf eine herab gefallene Münze oder einen Geldschein ist eine gefährliche Angelegenheit, denn schließlich werden diese vom Antlitz des Königs geschmückt. Der Tritt auf das Geld ist in symbolischen Sinne also auch ein Tritt auf den Kopf des Königs (...das ist übrigens kein Scherz, und kann in diversen Reiseführern nachgelesen werden).

Um auch nur ansatzweise verstehen zu können, warum die Thais ihrem König gegenüber eine Loyalität und Verehrung – in diesem Maße! – an den Tag legen, müssen wir uns an dieser Stelle etwas mehr mit seiner Majestät Bhumiphol Adulyadej "himself" beschäftigen, denn er ist der Schlüssel zum Verständnis der thailändischen Volksseele:
König Bhumiphol (sprich: "Phumipon") Adulyadej der Große (auch: Rama IX.) wurde am 05. 12. 1927 in Cambridge, (Massachusetts/USA) geboren, und ist seit dem 09. 06. 1946 König von Thailand. Damit ist er gleichzeitig das am längsten amtierende Staatsoberhaupt der Welt.
1933 wurde Bhumibol Adulyadej – zusammen mit seinem älteren Bruder Ananda Mahidol – zur Ausbildung nach Lausanne in die Schweiz gebracht. 1945 kehrten sie zurück nach Thailand. Nach dem frühen Tod des älteren Bruders wurde Prinz Bhumibol 1946 zum Thronfolger. Nach seiner Ernennung zum König kehrte er erneut nach Lausanne zurück, um dort Politik - und Rechtswissenschaften zu studieren. Dort traf er zum ersten Mal Mom Rajawongse Sirikit Kitiyakara, die Tochter des thailändischen Botschafters in Frankreich, die er am 28. 04. 1950 (eine Woche vor seiner Krönung) im Sra Pathum Palast in Bangkok heiratete. Die offizielle Krönungszeremonie fand am 05. 05. 1950 im Grand Palace in Bangkok statt. Noch am gleichen Tag machte er seine Frau zur Königin, sie erhielt dabei den Titel Somdej Phra Boroma Rajini. Die Amtsgeschäfte übernahm er 1951 nach Abschluss seiner Studien in Lausanne. Im Oktober 1956 suchte er das Kloster Wat Bovornives in Bangkok auf, um dort – gemäß der Thai-Tradition – für einige Zeit als Mönch zu leben.
Bhumibol Adulyadej ist ein König, der sich sehr eng mit der einfachen Bevölkerung des Landes verbunden fühlt. Die Verbesserung der Lebenssituation der kleinen Leute scheint eins seiner Lebensziele zu sein. Dass er besonders die Sorgen und Nöte der ärmeren Landbevölkerung sehr ernst nimmt, beweisen (inzwischen über 1000!) größere und kleinere Projekte, die die gesamte Bandbreite der ländlichen Probleme Thailands ansprechen.
Sein in Thailand wohl bekanntestes Projekt, hat dazu beigetragen die Dürrezeit im Isaan (Nordosten) zu verkürzen:
Das dortige Problem bestand darin, dass zwar immer reichlich Wolken am Himmel vorhanden waren – diese jedoch stets weiterzogen, ohne den erwünschten Regen abzulassen. Unter der Federführung des Königs wurde eine ungiftige Chemikalie entwickelt, die die Wolken zum regnen brachte.
Das "Königliche Regenprojekt" ist bis heute Thema der zahlreichen Dokumentationen über Bhumibol Adulyadej.
Mit einem weiteren bekannten Projekt sorgte er für den Rückbau des Opiums im Norden. Stattdessen förderte er an gleicher Stelle den Anbau von Pflanzen und Früchten mit hohem Ertrag, die auch bei dem gemäßigtes Klima im Norden gedeihen konnten.
Auf dem Gelände des Palastes betreibt er eine Versuchsfarm, die sich mit Viehzucht und Frucht/Gemüseanbau beschäftigt.

Als Privatmann zeigt sich sich König Bhumibol Adulyadej vielseitig interessiert: Musiker, Komponist, Fotograf, Maler, Schriftsteller, etc...
Insgesamt sind etwa 40 Kompositionen von ihm bekannt, darunter auch die thailändische Königshymne. Als leidenschaftlicher Saxophon-Spieler ist er auch dem Jazz nicht abgeneigt. Im Palast in Bangkok spielte er früher gern mit bekannten Musikern aus der Jazz-Szene – unter anderem mit Benny Goodmann (...siehe auch "King Bhumibol Adulyadej – A Musical Self-Portrait").

Vom 09. bis 13. Juni 2006 erlebte Thailand die glanzvollen Feierlichkeiten zum 60. Thronjubiläum des Königs in Bagkok, die hier vorübergehend alle anderen Geschehnisse in den Hintergrund treten ließen und an der gekrönte Häupter aus 25 Ländern teilnahmen.

Der vom König gegründete Hilfsfont, wird – wann immer es nötig ist – in üppigem Maße mit Spenden aus dem ganzen Land bedacht (... z.B. im Dezember 2004 bei der Tsunami-Katastrohe). Jeder der hier spendet weiß, dass dieser Font – dank seines Patrons – für eine schnelle, unbürokratische und vor allem korruptionsfreie Verwendung der Mittel steht.

Da Thailand seit dem Staatsstreich im Juni 1932 eine konstitutionelle Monarchie ist, sind die Aufgaben des Königs mehr oder weniger durch die Verfassung geregelt. Im Klartext: Der Einfluss des Königs auf das aktive politische Geschehen ist offiziell begrenzt, da seine Funktionen eher repräsentativer, symbolischer und zeremonieller Natur sind.
Weil König Bhumibol Adulyadej das Land aber gemäß des Mottos "zum Vorteil seiner Menschen" regiert, greift er – wenn es hart auf hart kommt – sehr wohl in das politische Geschehen ein. Und das gilt besonders für den Fall, wenn das Volk in Bedrängnis gerät. Niemals wurde das deutlicher, als am 17. Mai 1992:
Während einer Demonstration in Bangkok gegen die Regierung von General und Premierminister Suchinda Kraprayoon, schoss das Militär in die Menge und tötete dabei mindestens 50 Demonstranten. In dieser extrem kritischen Situation ließ König Bhumibol Adulyadej die Tore zum Park seines Palastes öffnen, so dass die übrigen Demonstranten sich retten konnten. Da die Lage ja nun offensichtlich außer Kontrolle geraten war, bestellte der König die politischen Kontrahenten (Militärs und Demokraten) zu einer Audienz in den Palast. Dort empfing er sie demonstrativ in der Uniform des obersten Befehlshabers. Vor laufender Kamera mussten die Militärs versprechen, den Konflikt auf friedliche Art und Weise – und ohne Waffengewalt – zu lösen.

Fazit: Die Begeisterung für diesen Monarchen kann auch auf Nicht-Thailänder durchaus "ansteckend" wirken.
LONG LIVE THE KING OF THAILAND!

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