Umweltbewusstsein...?

Ich möchte mich hier keinesfalls als Oberlehrer profilieren, der es sich zum Lebensziel gemacht hat, die Thais von den Vorteilen der Mülltrennung nach skandinavischen oder deutschen Maßstäben zu überzeugen – denn:

  1. Ich bin nur Gast in diesem Land.
  2. Die finanziellen Voraussetzungen zur Einführung einer modernen Müllentsorgung sind in Thailand nicht vorhanden.
  3. Das Verständnis für Sinn und Zweck einer gesunden Umwelt existiert bisher nur in rudimentärer Form.

Umweltbewusstsein in Thailand-1 Trotzdem müsste, sollte oder könnte (...ich benutze bewusst den Konjunktiv) mittel- bis langfristig ins Auge gefasst werden, das Bewusstsein der jungen Thais soweit zu verändern, dass zumindest ein Verständnis dafür entwickelt wird, dass Abfälle in einer Mülltonne nun mal viel besser aufgehoben sind als im See, im Meer, im Park oder auf der Strasse.

Nur, wer sollte das machen? Die Eltern? Die Lehrer? Das Ministerium für natürliche Ressourcen und Umwelt?
Machen wir uns nichts vor, und bleiben wir ehrlich: Thailand ist zwar kein Drittweltland mehr, sondern inzwischen ein aufstrebendes Schwellenland – aber sowohl Drittweltländer als auch Schwellenländer sind nun mal nicht gerade für ihr Umweltbewusstsein berühmt. Thailand bildet da leider keine Ausnahme.

Umweltbewusstsein in Thailand-2Für die meisten Farangs (westliche Ausländer) ist es befremdend zu beobachten, wie z.B. eine sympathische junge Thai-Familie nach einem Picknick am See alle Essensreste incl. dutzender Plastikverpackungen, Flaschen, Dosen und Papier einfach im Sand liegen lässt.
Für Thailänder ist es normal.
Dass in Thailand jeder kleine Firlefanz doppelt und dreifach in Plastikfolie und Plastiktüten verpackt wird, trägt nicht unbedingt zur Lösung des Problems bei (...welches für Thailänder ja gar kein Problem ist).

Die städtische Müllabfuhr verteilt in Thailand keine Mülltonnen an die Haushalte. Jeder muss sich selbst um eine Art Behältnis kümmern, in dem er seinen Müll vor dem Haus sammelt. Viele Familien haben kein Interesse, sich um ein Behältnis zu kümmern. Sie stellen den Müll in Plastiktüten auf die Straße. Nachts kommen Ratten, Katzen und Hunde und verteilen den Müll dieser Tüten dann auf den Straßen. Apartmenthäuser haben große (offene!) Plastiktonnen im Hof stehen, die nachts ebenfalls zum Spielplatz für diverses Getier werden.
Und dann wären da noch die so genannten Müllsammler:
Es sind die ärmsten der Armen, die nachts mit Fahrrädern und Säcken durch die Villages der Städte ziehen, und den Müll nach brauchbaren Dingen (Flaschen, Dosen, etc...) durchforsten. Da es in Thailand natürlich auch kein Pfandsystem gibt, werden die Sachen später zum Kilopreis an Müllfirmen verkauft.
Ich persönlich merke immer, dass die Müllsammler nachts wieder mal da waren, wenn morgens die Mülltüten in unserer selbstgekauften Tonne zerrissen und durchwühlt sind - denn Hunde oder Katzen haben nun mal keine Finger um den Deckel der Tonne zu entriegeln.

Fazit: Wie alle Drittweltländer und Schwellenländer hat Thailand nicht nur ein Umweltproblem sondern vor allem ein Problem mit dem Umweltbewusstsein. Hier müsste (schon wieder dieser Konjunktiv!) massive Aufklärungsarbeit von staatlicher Seite – vor allem in den Schulen – erfolgen. Solange das nicht geschieht, werden sich die Umweltprobleme in Thailand eher verschlimmern, denn ein Bewusstsein für eine gesunde und saubere Umwelt entwickelt man nicht im Schlaf sondern nur infolge eines Lernprozesses.
Aber Lernprozesse – nach westlichen Maßstäben – erfreuen sich in Südostasien nun mal nicht gerade großer Beliebtheit. Daher ist zu befürchten, dass sich auch weiterhin nur Farang-people den Kopf über Thailands Umwelt zermartern werden. Doch kann auch das manchmal sogar von Erfolg gekrönt sein, wie man es am positiven Beispiel Phitsanulok beobachten kann. Phisanulok ist die einzige Stadt Thailands, bei der ein System zur Mülltrennung zum tragen kommt. Dieses System wurde von der GTZ (Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit GmbH) als Pilotprojekt zwischen 2003 und 2006 entwickelt, und mit 2.454.000,- Euro deutscher Entwicklungshilfe bezuschusst. Nähere Infos zu dem Projekt gibt es als download auf der GTZ Website.
(en-factsheet-solid-waste-management-thailand.pdf)

Umweltfreundliche Werbung der Firma JET in Thailand Und da wir gerade beim Thema sind:
Die internationalen Konzerne haben den Umweltschutz in Südostasien natürlich längst als neuen Markt für sich entdeckt.
So wirbt z.B. der amerikanische Mineralölkonzern ConocoPhillips auf großen Plakaten (...in den Filialen seiner Tankstellenkette "JET") in Thailand für ein besseres Umweltverständnis.
Noch Fragen...?

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