Fahrschulen sind in Thailand eine Seltenheit – und die wenigen die es gibt, werden fast ausschließlich von Ausländern oder sehr wohlhabenden Thais frequentiert. Der Großteil der Thailänder lernt das Auto- oder Motorradfahren von Familienmitgliedern bzw. Freunden, die es ebenfalls von Familienmitgliedern oder Freunden gelernt haben. Jeder entscheidet dabei selbst, wann er sich dann der Prüfung stellen möchte.
Die Fahrprüfung besteht – wie in Europa – aus einer theorethischen und einer praktischen Prüfung. Alle wichtigen Verkehrsregeln werden in einem sehr kurzen Crash-Kurs per Video unmittelbar vor der theorethischen Prüfung vermittelt. So erhalten auch Menschen, die noch nie in Ihrem Leben etwas von Verkehrsregeln gehört haben, zumindest einen einmaligen Kurzeindruck davon, wie es auf den Strassen zugehen sollte. Danach erfolgt eine kurze theoretische Prüfung, die sich auf das vorher gesehene bezieht. Dabei kann auch schon mal gefragt, abgeschrieben oder auf Notizen zurückgegriffen werden.
Im Anschluss an die (bestandene) theoretische Prüfung erfolgt der Fahrtest. Hierbei fährt man in dem eigenen Fahrzeug – mit dem man ja bereits ohne Führerschein angereist ist! – eine Runde über einen eigens dafür angelegten Platz, der ein wenig an eine Mischung aus Minigolfanlage und Trimmpfad erinnert. Der Prüfer sitzt Lichtjahre vom Prüfling entfernt auf einem Stuhl, von wo aus er die entscheidende Fahrt des Fahrzeugbesitzers rudimentär beobachten kann. Meistens fahren drei bis vier Kandidaten gleichzeitig durch die Anlage. Wenn dann nicht gerade in die falsche Richtung gesteuert wird, oder Bäume und Begrenzungen umgefahren werden, gilt die Prüfung bereits nach kurzer Zeit als bestanden.
Für Ausländer wird die theoretische Prüfung mit Fragebögen in englischer Sprache angeboten – ein Vorteil, den auch ich bei meiner Prüfung zu schätzen wußte.
Bewegt man sich nun selbst irgendwann per Auto oder Motorrad im Straßenverkehr einer thailändischen Stadt, so kann man schnell den Eindruck gewinnen, ein Großteil der Verkehrsteilnehmer hätte die oben geschilderte – recht lockere – Prüfung nicht durchlaufen, da so gut wie alle gültigen Verkehrsregeln komplett außer Kraft gesetzt sind:
Des weiteren kommt belastend hinzu, dass die Thais – sobald sie sich im Straßenverkehr bewegen – automatisch von der beliebten emotionalen Standard-Einstellung "jai yen" (kühles Herz/Konfliktvermeidung) auf die äußerst unbeliebte "jai roon" (heißes Herz/Konfrontation) Gefühlswelt umschalten. Umsichtiges Fahres in Verbindung mit kleinen Freundlichkeiten, wird man hier vergeblich suchen. Es wird gefahren, als ginge es um Leben und Tod. Wobei die oberste Regel das Recht des stärkeren ist. Busse und Lastwagen bremsen nicht für PKW's, Limosinen und Pickup's bremsen nicht für Kleinwagen... unsw. Am Ende der Kette stehen dann Radfahrer und Fußgänger.
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Alles in allem zeigt sich im Straßenverkehr auf besonders drastische Weise, dass Thailänder keine Freunde von Regeln und Vorschriften sind. Rein prinzipiell kann ich das sehr gut nachvollziehen. Doch leider machen die Thais keinen Unterschied zwischen sinnvollen Vorschriften und unsinnigen Vorschriften.
Das z.B. Helme Leben retten können, scheint in Thailand bisher genauso wenig angekommen zu sein wie die Tatsache, dass ein Fahrzeug nicht mehr verkehrssicher ist, wenn es mit mehr als der doppelten Menge des zulässigen Gewichtes beladen wird.
So ist man hier z.B. der Meinung es sei völlig problemlos, sich mit drei Erwachsenen – gelegentlich noch plus Baby – auf einer 10 PS starken Honda Wave (...ohne Helme) in den Innenstadtverkehr zu stürzen. Auch die erhöhten Polizeikontrollen in Sachen Helmpflicht haben bisher kein Umdenken bewirkt. Viele Fahrer haben jetzt zwar einen Helm dabei, aber der liegt fröhlich im Körbchen vor dem Lenker. Nähert man sich einer Polizeikontrolle, wird der Helm kurz vorher – für zwei Minuten – aufgesetzt. Nach der Kontrolle wird er wieder in den Korb zurückverfrachtet, denn schließlich ist so ein Helm beim Rauchen oder Telefonieren – während der Fahrt – doch nur hinderlich.
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Allein während der Wasserschlachten, die an den
Songkran-Tagen — häufig unter einem Besorgnis erregenden Alkoholpegel im Straßenverkehr stattfinden — kommen jedes Jahr durchschnittlich etwa 300 bis 400 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben, während etwa 4.000 bis 5.000 Personen verletzt werden.
Auch die gut gemeinten, jährlichen Sondersendungen (...mit Verkehrskamera-Aufnahmen von auf Rücksichtslosigkeit und Alkohol basierenden Unfällen sowie Appellen an die Vernunft) konnten diese Horror-Statistik bisher nicht verbessern. Das Video zeigt Verkehrskamera-Aufnahmen aus Chiang Mai.
Zum Schluss noch eine kleine Statistik für alle, die unsere Ausführungen zum Thema Verkehrssicherheit in Thailand vielleicht als etwas übertrieben empfinden:
Im September 2007 veröffentlichte das thailändische Gesundheitsamt eine neue Statistik über die Gefahren des Motorradfahrens in Thailand – mit folgenden Ergebnissen:
Der Motorradunfall steht damit bei Kindern in Thailand als Haupttodesursache (nach Infektionen und Ertrinken) auf Platz 3.
Zum Vergleich:
Während in Thailand 2006 allein 9000 Menschen nur bei Motorradunfällen starben, gab es im gleichen Jahr in Deutschland 5091 Gesamttote bei Verkehrsunfällen – davon ein Großteil im Winter bei Glatteis.
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