
Mehrdeutige Gefühle, Gedanken und Wünsche, die in teilweise krassem Widerspruch zueinander stehen, sind in Thailand keine Seltenheit, doch nirgendwo wird diese Ambivalenz deutlicher, als bei dem Thema Sexualität.
Alle Bereiche, die dieses komplexe Thema auch nur annähernd berühren, müssen mit zwei unterschiedlichen Sichtweisen betrachtet werden:
Nun sollte man sich allerdings nicht vorstellen, dass Thais diesbezüglich einem ständigem Entscheidungsdruck ausgesetzt wären und ins Grübeln geraten würden, denn das widerspräche einem wichtigen Aspekt der Thai-Lebenseinstellung, der ja bekanntermassen besagt, dass zu viel denken ungesund sei. Diese interessante Philosophie sehen die Thais übrigens im Buddhismus begründet.
Und dank dieser "liebenswerten Oberflächlichkeit" stellt es für die Thais selbst auch gar keinen Wiederspruch dar, dass z.B.:
Die verblüffende Leichtigkeit, mit der im theravada-buddhistischen Thailand die Themen käuflicher Sex, Prüderie, Erotik, Liebe, Homosexualität, Ehebruch und andersartige Geschlechtlichkeit zu einem wilden Mix verknüpft werden, lässt so manche ausländischen Besucher in fassungslosem Staunen verharren.
Da wären z. B. die Freiheiten, die Homosexuelle, Transsexuelle und Transvestiten aller Schattierungen in diesem Land geniessen, und die in einigen – angeblich modernen – Ländern Europas dank versteckter Intoleranz, Verklemmtheit und unsichtbarem Einfluss der Kirche unvorstellbar sind.
Oder wäre es in Deutschland etwa denkbar, dass ein Mann in Frauenkleidung, Makeup und Lippenstift als Verkäufer in der Weinabteilung eines Discounters arbeitet – und mit tiefer Stimme den Kunden seine Hilfe bei der Weinsuche anbietet? In Thailand sind Situationen wie diese nichts besonderes und gehören zum ganz normalen alltäglichen Leben. Randgruppen dürfen ohne Furcht vor Übergriffen oder Sanktionen in Thailand leben, sofern sie sich an die Regeln halten und sich in der Öffentlichkeit nicht auffällig benehmen. Wobei diese Regeln – aufgrund der häufig recht auffälligen Äußerlichkeiten thailändischer Randgruppen – wiederum sehr flexibel ausgelegt werden. Des weiteren gibt es beruflich nur wenige Branchen, die Ihnen verschlossen bleiben (z.B. Banken, öffentlicher Dienst, etc...). Dass sie in TV-Miniserien und Werbespots des öfteren als überzeichnete Witzfiguren eingesetzt werden, ist weniger auf feindselige Diskriminierung als auf mangelndes Taktgefühl zurück zu führen. Und mit Grübeleien dieser Art beschäftigen sich in der Regel sowieso eher Farangs (westliche Ausländer) als Thais.
Allerdings lässt sich auch schlecht bestreiten, dass Schwule und Lesben in Thailand ihre Neigungen durch ein eher "stereotypes Zusammenspiel von Gestik und Mimik" wesentlich deutlicher zeigen, als es bei Gleichgesinnten in westlichen Ländern üblich ist.
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Unabhängig davon gibt es drei Haupt-Randgruppen sexueller Natur in Thailand, die ihre Andersartigkeit gern in mehr oder weniger auffälliger Weise demonstrieren:
1. "Kathoey" ist das thailändische Wort für den – bekannteren – englischen Begriff Ladyboy. "Kathoeys" sind rein physisch betrachtet zwar Männer, sehen sich selbst aber als Frauen im falschen Körper, und streben dementsprechend geschlechtsangleichende Maßnahmen an, um den Körper ihrer Identität anzupassen. In der thailändischen Gesellschaft haben sie seit Jahrhunderten einen festen Platz, der sich früher in den Dörfern allerdings eher auf die Rolle des Entertainers oder des Exoten für ausgefallene Liebesspiele beschränkte. Heute dagegen trifft man sie in vielen normalen Berufen an – aber natürlich auch weiterhin im Rotlichtmilieu.
Die Schönheitsindustrie hat durch sie eine wichtige neue Zielgruppe erhalten, und verdient jährlich gigantische Summen durch das Einsetzen von Silikonkissen in Männerbrüste, das Wegraspeln von Adamsäpfeln, Operationen an Nasen und Lippen, sowie komplette Geschlechtsumwandlungen.
Parinaya Charoemphol (ehemaliger Thai-Box-Meister) ist eine der bekanntestens Kathoeys in Thailand. Sie begann bereits mit Hormonbehandlungen, als sie noch aktiv – als Mann – im Ring stand. 1999 unterzog sie sich einer Geschlechtsumwandlung, und beendete ihre Karriere. In dem thailändischen Film "Beautiful Boxer" von 2003 wird ihr Leben erzählt. Der Film wurde in Europa mit Preisen überschüttet.
2. "Tom" ist eine Bezeichnung für den weiblichen Gegenpart des "Kathoey" – also eine Frau, die davon träumt ein Mann zu sein. Rein prinzipiell können alle – übertrieben weiblichen – Verhaltensmuster der "Kathoey" in umgekehrter Form auf den "Tom" übertragen werden:
Merkwürdigerweise gibt es wesentlich weniger "Toms" als "Kathoeys", und – das ist interessant! – die Selbstmordrate der "Kathoeys" ist (proportional betrachtet) wesentlich höher als bei "Toms" und anderen Randgruppen.
"Toms" sind bei jungen Mädchen sehr beliebt. In den Schulen haben sie häufig den Status exotischer Popstars. Dementsprechend hochnäsig benehmen sie sich manchmal auch. Im Gegensatz zur "Kathoey", macht es dem "Tom" oft Spaß den Rebellen zu spielen, und die junge Freundin in der Öffentlichkeit eng umschlungen zu küssen. Punkige Kurzhaarfrisur, Piercings, Tattoos, sowie ein überhöhter Alkohol- und Nikotinkonsum sollen die männliche Erscheinung unterstreichen.
Bei den thailändischen Männern ist der "Tom" äußerst unbeliebt, da sie es überhaupt nicht leiden können, wenn "ihre gesellschaftlichen Privilegien" von einer Frau kopiert werden. Im Gegensatz zur "Kathoey" greift der "Tom" seltener auf körperliche Veränderungen in Form von Operationen zurück.
3. "Dii" ist so etwas ähnliches, wie eine zu Fleisch gewordene Barbie-Puppe. Nein, jetzt mal im Ernst: Wenn ein junges Mädchen ihre Gefühle zu einer männlich dominanten "Tom" entdeckt, dann demonstriert sie das häufig durch eine übertrieben weibliche Aufmachung, die optisch oft der einer "Kathoey" gleicht – nur dass in diesem Outfit dann eben eine richtige Frau steckt. Leuchtende Pink-Farben, eine betont kindlich naive Aussprache, sowie Zöpfe und übertriebenes Makeup formen ein Bild, dass letztendlich dem einer Barbie-Puppe nicht ganz unähnlich ist.
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Doch auch in einer ganz normalen Mann/Frau-Ehe ticken die Uhren in Thailand völlig anders als in westlichen Kulturen. Einer der Hauptgründe liegt sicherlich darin, dass Mann und Frau in einer westlichen Ehe in etwa gleichberechtigte Partner sind – was bei der Thai-Ehe keineswegs zutrifft.
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Thailändische Ehemänner gehen gerne fremd, und jeder 4. bis 5. macht das regelmässig. Interessanterweise ist das Fremdgehen – im buddhistischen Thailand – per Gesetz quasi abgesegnet, denn es stellt zumindest keinen Scheidungsgrund dar. Der Haken bei dieser interessanten Regelung ist allerdings der, dass sie nur einseitig gilt, denn während das Fremdgehen der Männer als Scheidungsgrund für die Frauen nicht akzeptiert wird, haben Männer sehr wohl das Recht, den Seitensprung der Gattin als Aufhänger für eine Scheidung zu nutzen.
Auch Bordellbesuche und das Unterhalten einer (...oder auch mehrerer) Nebenfrau/en werden durch dieses – für Männer äußerst praktische – Gesetz geregelt. Wen wundert es da noch, dass Thai-Männer keine selbstbewussten, modernen Frauen mögen?
Und in diesem Zusammenhang erscheint es dann auch logisch, dass thailändische Männer andere (getarnte) Bordelle bevorzugen, als die männlichen Ausländer, die teilweise aus diesem Grunde nach Thailand kommen.
Denn die Gogo-Bars, in denen sich halb nackte, selbstbewusste Girls in futuristischem Latex-Outfit zu schrillen Klängen räkeln, sind männlichen Thais ein Dorn im Auge.
Thai-Männer bevorzugen einfache Massagesalons, bei denen sich die Frauen eher schüchtern und demütig zur Begutachtung präsentieren, bis der Kunde seine Auswahl getroffen hat.
Die Kundschaft der – so genannten – Massagesalons besteht sowohl aus verheirateten Familienvätern, als auch aus jungen Männern, die hier ihre ersten sexuellen Erfahrungen sammeln. Außerdem ist auch unter Geschäftsleuten der Besuch eines Bordells bzw. Massagesalons durchaus nicht unüblich. Insgesamt verfügen etwa 95 % der thailändischen Männer über Erfahrungen mit Prostituierten. Ein gigantischer Markt, der – nach vorsichtigen Schätzungen – jährlich rund 27 Milliarden Dollar! umsetzt, und somit etwa 14 % des BIP erwirtschaftet (Schätzung der "International Labour Organisation" – kurz ILO – der UNO).
Besonders im Norden und Nordosten des Landes stellen für sehr viele Familien die Einnahmen der Töchter in den Zentren der Rotlicht-Branche eine unverzichtbare Einkommensquelle dar. So stammen etwa 28 % der nordthailändischen Gesamteinkommen von Frauen, die in den Städten und Touristenzentren als Prostituierte arbeiten.
Dabei spielen – entgegen dem allgemein vorherrschenden Klischee – die Touristen nur eine untergeordnete Rolle, denn mit etwa 4,6 Millionen Besuchern pro Jahr stellen die männlichen Thais die mit Abstand größte Gruppe der Puffgänger. Danach folgen die Malayen mit ca. 1 Million Kunden pro Jahr.
In der Statistik der Touristen, die Liebesdienste in Anspruch nehmen, belegen deutsche Farangs (mit ca. 400.000 "aktiven Teilnehmern") hinter den U.S. Amerikanern und den Briten Platz drei.
(Quellenangaben: Wikipedia, CATW und Stern 31/2007)
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Dass junge Thai-Männer nicht unbedingt für ein ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein berühmt sind, und daher auch gerne auf die Benutzung von Kondomen verzichtet, verwundert wohl kaum jemanden.
Dass HIV seit 2004 in Thailand leider wieder auf dem Vormarsch ist, scheint dabei niemanden so recht zu interessieren. Etwa 75 % der thailändischen Teenager wissen laut einer Studie des Gesundheitsministeriums nur sehr wenig über Aids. Das war früher einmal anders, denn nach einer massiven staatlichen Aids-Aufklärungskampagne von 1991 bis 2001, unter Leitung des ehemaligen Tourismus-Minister Mechai Viravaidya, konnte die Zahl der Neuinfektionen um über 80% gesenkt werden.
Doch nur knapp drei Jahre später schien das neu erworbene Wissen, um eine sinnvolle Nutzung von Kondomen zum Schutz gegen Aids bereits wieder nachzulassen, und die Zahlen der Neuinfektionen begannen wieder zu steigen.
Heute scheint dieses Wissen komplett verschwunden zu sein, denn anders lassen sich die Teilergebnisse einer Umfrage von Anfang 2007 bei jungen Frauen über 18 Jahren – zum Thema Aids – wohl kaum erklären:
Auf die Frage, ob sie Kondome in ihrer Handtasche mit sich führen würden, und auch bereit wären, den Partner – vor dem Sex – um die Benutzung eines Kondoms zu bitten, erwiderte der Großteil der jungen Damen, dass eine derartige Vorgehensweise bei ihren Freunden sicherlich nicht gut ankommen würde, und sie es daher auch gar nicht erst versuchen würden.
Die meisten hatten Angst, dass Ihre Freunde sie nach einem solchen Vorschlag als zu "westlich und modern" einstufen würden – und dann lieber zu anderen Frauen gehen würden, denen nicht solch revolutionäre Ideen im Kopf rumspuken würden.
Wer diese Seite interessant fand, der sollte auch einen Blick auf unser Thailand-Thema
"Prostitution, Sex und wahre? Liebe" werfen.
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