Auch wenn der Großteil der Thailänder ein – nach westlichen Maßstäben – materiell wohl eher ärmliches Leben führt, so hat man doch selten den Eindruck, dass Thais zu Traurigkeit oder Melancholie neigen würden.
Sicherlich mag diese Empfindung des Beobachters zum Teil auch auf das weltbekannte
Lächeln zurückzuführen sein – doch es steckt weit mehr dahinter.
Thais verfügen über eine scheinbar angeborene Lebensfreude, die in einem krassen Gegensatz zu der – häufig recht übellaunigen – Grundeinstellung so mancher Europäer steht.
Böse Zungen werden nun behaupten, dass diese stark ausgeprägte Lebensfreude in direktem Zusammenhang mit der vorherrschenden Oberflächlichkeit in Thailand steht – und das ist in der Tat nicht so ganz von der Hand zu weisen. Faktum ist nun mal einfach, dass Thais sich selbst nicht so unter Druck setzen, wie viele Europäer es freiwillig tun:
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Das alles mag für moderne Westler – die ihre kompletten Termine, Notizen, Verabredungen und Adressen in Handies und Organizern verwalten, recht befremdlich erscheinen, doch für Thais ist es nun mal wichtiger sich mit anderen Dingen zu beschäftigen – z.B. mit dem Thema "Sanuk", was soviel wie Spaß und Freude bedeutet.
"Sanuk" hat vor allem mit Entspannung und Geselligkeit zu tun. Ein schönes Essen (...mit reichlich Schnaps für die Männer) im Kreise von Familie und Freunden ist "Sanuk" in Reinform. Aber auch ein kleines Nickerchen zwischendurch ist genauso eine gewisse Art von "Sanuk" wie z.B. mit den Kindern ungezwungen durch die Gegend zu tollen. Während für die thailändischen Frauen Shopping in jeder Form "Sanuk" bedeutet, bevorzugen die meisten Thai-Männer eher das relaxte Abhängen.
Körperlich und geistig anstrengende Dinge zählen nicht als "Sanuk". Spaziergänge, Radfahren, Schwimmen oder Joggen sind daher genauso unbeliebt wie Politik-Sendungen, komplizierte Problemfilme, im Internet zu surfen und Bücher zu lesen. Wer sich "Belastungen" dieser Art freiwillig aussetzt, der muss damit rechnen, dass sein Handeln von anderen mit einer gewissen Fassungslosigkeit beobachtet wird. Eine Erfahrung, die ich z.B. bei meinen sportlichen Aktivitäten regelmäßig machen muss.
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Alles in allem ist "Sanuk" eine Art selbstinszeniertes Belohnungssystem, das sich Thais gerne nach einem harten Arbeitstag (...oder in der Pause eines solchen) gönnen, um die Energiereserven auftanken zu können und den Fluss der guten Laune nicht versiegen zu lassen.
Doch leider zeigt dieses – harmlos anmutende – Belohnungssystem in der praktischen Anwendung im thailändischen Leben auch deutliche Nachteile, denn oft genug muss es als persönliche Legitimation für Glücksspiele und Drogenkonsum herhalten.
Ausserdem ist es mit verantwortlich für den allgemein eher komplizierten Umgang der Thais mit Geld – denn Dank der Sucht nach "Sanuk" kommen nur wenige Thais auf die Idee, Geld zu sparen. Falls sich aufgrund von Provisionen, Hauptsaison, Sonderverkäufen, Überstunden, etc... mehr als üblich in der Haushaltskasse befinden sollte, dann wird häufig solange gefeiert, bis der letzte Satang davon ausgegeben ist. In den seltensten Fällen wird auch nur ein Bhat der zusätzlichen Einkünfte für knappere Monate zurückgelegt.
Ob eine derartige Grundeinstellung für Körper, Geist und Seele gesund ist, lässt sich sicherlich nicht mit einem klaren ja oder nein beantworten. Vielleicht ist sie aber einer der Gründe, warum es in Thailand weniger psychosomatische und stressbedingte Krankheiten als in Europa und den USA gibt.
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