Ein paar grundsätzliche Worte:

Jeder, der das erste mal nach Südostasien reist, sollte sich darüber im klaren sein, dass er hier Wertmaßstäbe und Verhaltenregeln antrifft, die mit denen Europas nicht vergleichbar sind. Kultur und Mentalität der Menschen weisen zwar gewisse Gemeinsamkeiten mit denen anderer Regionen/Länder Asiens auf – keinesfalls aber zu den Regionen/Ländern Europas (...oder denen anderer Kontinente).

KulturschockEinige Reisende geniessen das, andere erleiden einen Kulturschock. Und natürlich gilt das auch für Thailand, denn obwohl es touristisch erschlossener als seine direkten Nachbarn ist, so ist es im Herzen keinesfalls westlicher.
Jeder der dem irrigen Glauben unterliegt, er brauche über die Lebensweise der Thais nichts zu wissen – und könne sich über die Gegebenheiten vor Ort hinwegsetzen – der sollte besser ein anderes Land für seine Reise in Betracht ziehen.

Natürlich wird in den potentiellen Touristenzentren Thailands (...Ko Samui, Phuket, Pattaya, Bangkok, Chiang Mai) alles getan, um den ausländischen Besuchern in vielen Bereichen so weit wie möglich entgegen zu kommen, denn schließlich möchte man, dass sie sich wohl fühlen und auch gerne wiederkommen.
Doch trotz internationaler Restaurants, gigantischer Einkaufszentren und mannigfaltiger Unterhaltungsmöglichkeiten, sollte man sich darüber im klaren sein, dass Thais aufgrund entscheidend anderer Werte auch grundlegend andere Verhaltensmuster an den Tag legen als z.B. Europäer.

Dazu gehört unter anderem, sich durch das Zusammenspiel von einander abweichenden Interessen – die nach eigenen, offiziellen Regeln als unvereinbar gelten – in Wiedersprüche zu manöverieren. So haben Thais z.B. keine Probleme damit, sich selbst als sehr gläubige Bhuddisten von ganzem Herzen zu sehen, gleichzeitig aber vor den Lehren Lord Buddhas (...wann immer es irgendwie geht) die Augen zu verschließen. Denn besonders der – bei Thais extrem ausgeprägte – Sinn für "Sanuk" (Spass und Lebensfreude) lässt sich in vielen beliebten Bereichen (z.B. Glücksspiel, Fremdgehen, übermässiger Alkohol- oder Drogenkonsum, etc...) nicht im geringsten mit Buddhas Lehren in Einklang bringen. Gleiches gilt nicht nur für "Sanuk"-Bereiche, sondern auch – bzw. besonders – für die unüberwindbare Korruption und Abzockerei im Land.
Auch das Verhalten im Straßenverkehr ist z.B. so eine Sache, die in krasser Unvereinbarkeit zum idealisierten Benehmen der Thais steht. Während in allen Lebenslagen und Situationen die höfliche Konfliktvermeidung ("jai yen"/kühles Herz plus lächeln) als Grundeinstellung favorisiert wird, so ist im Straßenverkehr eher der Gemütszustand "jai roon"/heißes Herz angesagt – und das obwohl "jai roon" gesellschaftlich für die Thais als absolut inakzeptabeles Verhalten gilt.

Widersprüche dieser Art würde man nach westlichen Maßstäben vielleicht als inkonsequent bezeichnen – doch sollte man in Thailand mit Grübeleien dieser Art nicht allzu viel Zeit verschwenden, denn derartige Merkwürdigkeiten werden dem aufmerksamen Thailand-Reisenden des öfteren begegnen. Sehr schnell wird er herausfinden, dass Thailand sowohl ruhig wie auch laut, schön wie auch unschön, sauber wie auch schmutzig, preiswert wie auch teuer, sanft wie auch aggressiv, lustig wie auch traurig, ehrlich wie auch unehrlich, gesund wie auch krank sein kann – und zwar in einem wesentlich auffälligeren Maße, als er es aus seiner Heimat kennt.

Wer auf seiner Reise nicht von einem Missverständnis ins andere stolpern möchte, sollte sich zuvor einige grundsätzliche Infos über Kultur und Mentalität der Menschen aneignen. Denn selbst das berühmte Lächeln hat in Thailand nicht immer die gleiche Bedeutung wie in Europa.

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