
Beschreibungen über den Umgang zwischen Thais und Farangs (westliche Ausländer) – sowie über deren gegenseitige Meinung voneinander – gehören sicherlich zu den kompliziertesten Themen, über die es in Thailand zu berichten gibt. Über die Summe der Missverständnisse und Vorurteile, die – sowohl von thailändischer als auch von ausländischer Seite – zu diesem Thema gewachsen ist, könnte man locker ein Buch schreiben.
Dass Thailänder ein ausgeprägtes Nationalbewusstsein besitzen und sehr stolz auf ihr Land, ihre Monarchie und ihre Freiheit sind (...Thailand wurde als einziger Staat Südostasiens, in seiner Geschichte niemals kolonialisiert), hatten wir bereits an anderer Stelle erwähnt. Diese Werte stehen auch in den Lehrplänen der Schulen an oberster Stelle, und werden bereits an die Kleinsten weitergegeben.
Der Umgang mit westlichen Ausländern stellt viele Thais daher in mehrfacher Hinsicht vor ein Problem, denn Thais möchten nicht gern wahrhaben, dass die Verbesserung ihrer Lebensbedingungen – zu einem nicht geringen Teil auf ausländische Touristen und Investoren aus dem Westen zurückzuführen sind.
Müssten sie das zugeben, dann würde das bedeuten, dass ihre Freiheit nur eine vorgetäuschte Freiheit wäre, da sie kaum weniger abhängig sind als die ärmeren – zu früherer Zeit vom Westen kolonialisierten – Nachbarländer Thailands. Dies wäre ein herber Rückschlag für den Nationalstolz der Thais und damit verbunden ein schlimmer
Gesichtsverlust.
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Daher betrachtet Thailand den Aufenthalt westlicher Investoren, Expats und Touristen mit einem anderen Verständnis, als diese ihn selbst sehen. Mit etwas Humor könnte man dieses Verständnis in etwa wie folgt deuten:
"Ihr seid herzlich willkommen, denn wir sind ein nettes Volk. Wir brauchen Euch nicht, aber weil wir nett sind, dürft Ihr hier Urlaub machen, oder in begrenzter Form – nach unseren Regeln – Investitionen einbringen. Ihr braucht Euch nicht zu bedanken, wenn Ihr wieder geht."
Dagegen betrachten viele Investoren, Expats und Touristen Ihren Aufenthalt in Thailand wohl eher etwas selbstbewusster:
"Achtung, ich komme nach Thailand und bringe Geld in Euer armes Land! Dafür möchte ich wie ein Fürst behandelt werden – rollt schon mal den Teppich aus. Noch Fragen?"
Spaß beiseite:
Dass die Thailänder sich einreden, sie wären nicht von ausländischen Touristen und Investoren abhängig, ist natürlich genauso ein absurder Trugschluss wie der Gedanke, dass man als Farang in Thailand aufgrund seines Geldes irgendwelche Sonderrechte hätte. Im Gegenteil, man hat weitaus weniger Rechte als die Thais – und zumindest Behörden, Banken und diverse Geschäftemacher (...siehe auch
Doppelte Preise) lassen einen das nur allzu deutlich spüren.
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Um ihre Unabhängigkeit nach außen hin zu demonstrieren, haben die unterschiedlichen thailändischen Regierungen der letzten Jahre das Land mit einem dichten Netz an Verboten und Verschärfungen für ausländische Expats und Investoren überzogen – mit dem Erfolg, dass nun ein Großteil der (vor allem für Ausländer gebauten) Luxus-Appartments in den Touristenzentren gähnend leer steht.
Denn viele der ausländischen Rentner (oder Ehepartner einer Thai) erfüllen – seit dem in Kraft treten der letzten großen Gesetzesänderungen für Ausländer Ende 2006 – nicht mehr die Grundvoraussetzungen für ein Jahresvisum in Thailand, und sind daher verständlicherweise nicht mehr am Kauf einer Immobilie interessiert (...zumal Grundbesitz ja sowieso nur vom thailändischen Ehepartner erworben werden kann.)
Und viele der Geschäftsleute bzw. Investoren, auf die man gehofft hatte, gehen lieber nach Vietnam, wo sie mit offenen Armen und großzügigen Steuervergünstigungen empfangen werden.
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Wovor die Thais Ihr Land denn nun eigentlich – durch ständige, drastische Verschärfungen des Ausländerrechtes – schützen wollen, wird nur teilweise klar:
Da ist sowohl die Rede von Scheinehen, die Ausländer mit Thailänderinnen schließen, um in den Genuss eines Jahresvisums zu gelangen – als auch von international gesuchten Verbrechern, die das Königreich als Schlupfwinkel nutzen.
Komplett abstreiten kann man das nicht, denn es gibt in Thailand in der Tat eine Menge Ausländer, die vor allem durch Pädophilie, Drogenkonsum- und Handel, hemmungslose Besäufnisse, Schlägereien, Beleidigungen und Arroganz auffallen – und leider sind diese Ausländer fast immer Farangs.
Auch die überheblichen Belehrungen mancher Europäer – speziell in den Bereichen Technik, Handwerk, Straßenverkehr und Organisation – kommen bei den Thais überhaupt nicht gut an. Doch manche Farangs genießen es offensichtlich, die Thais bloßzustellen, wie es die vielen aggressiven und lautstarken Pöbeleien (z.B. über die Inkompetenz des Personals der Einkaufszentren, etc., etc...) in den Touristenorten täglich aufs neue beweisen.
Das alles sollte allerdings nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass der Großteil der hier lebenden Farangs sich nicht daneben benimmt, sondern ein ehrliches Geschäft betreibt, oder von seiner Rente, bzw. seinem Vermögen hier lebt. Dem thailändischen Staat fällt garantiert niemand zur Last, denn so etwas wie Sozialhilfe gibt es hier schließlich nicht.
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Fazit:
Der Tourist, der Thailand ab und an für ein paar Wochen der Entspannung besucht, hat zum Glück mit dieser Problematik nichts am Hut. Er wird sich höchstens über vereinzelte Abzocke beim Taxi-Fahren oder über aufdringliche Verkäufer ärgern – und ansonsten seinen Urlaub geniessen.
Aber jeder Ausländer, der in Thailand leben möchte, sollte sich darüber im klaren sein, dass er hier nur unter beschränkten Bedingungen für einen begrenzten Zeitraum leben kann, bevor die Karten wieder neu gemischt werden. Eine Garantie für eine Verlängerung des Aufenthaltes gibt es nicht, dazu ändern sich die Visa-Gesetze hier zu oft.
Im Klartext: Thailand ist kein Einwanderungsland – und eine soziale Integration der Ausländer ist hier nicht erwünscht. Wer damit nicht leben kann und sich diesen Regeln nicht anpassen kann, sollte sich besser ein anderes Land aussuchen.
Die Thais dagegen sollten aufpassen, dass ihnen ihr übertriebener Unabhängigkeitsstolz nicht zum Verhängnis wird – und sie von ihren ärmeren Nachbarn wirtschaftlich überrannt werden (...sofern diese Entwicklung nicht schon in vollem Gange ist).
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