Arbeit in Thailand:

Nur die wenigsten Thais haben das Glück, eine solide Ausbildung durchlaufen zu können, die es ihnen danach ermöglicht, in einem beruflichen Umfeld ihrer Wahl arbeiten zu können.
Technische und kaufmännische Berufe mit Aufstiegschancen sowie Beamtenlaufbahnen oder Tätigkeiten in kreativen Bereichen sind in der Regel den Kindern wohlhabenderer Familien vorbehalten.

Thailändische Bauarbeiter in Pattaya Für diverse handwerkliche Berufe (in technischen Bereichen) gibt es zwar ebenfalls eine Ausbildung an Berufsschulen, aber auch die können sich viele Familien nicht leisten. Wer doch zu den Glücklichen zählt, eine Ausbildung z.B. als Elektriker, Kfz-Mechaniker oder Techniker absolvieren zu können, der versucht wenn möglich, bei einer Niederlassung eines großen, ausländischen Unternehmens in der Stadt einen Job zu finden, da hier häufig bessere Bezahlung sowie diverse Vergünstigungen locken.
Somit bleibt für kleinere Firmen oft nur ungelerntes Personal übrig, welches dann lediglich eine technische "learning by doing" Ausbildung im Schnelldurchlauf erhält, aber bereits kurz danach eigenständige Arbeiten übernimmt. Und für handwerkliche Berufe ohne "technischen Zusammenhang" (Maurer, Dachdecker, Maler, etc...) erfolgt in Thailand sowieso nur eine kurzfristige Anlernung durch den Betrieb.
Nicht selten ist die Qualität der Arbeiten dementsprechend schlecht. Besonders die Baufirmen haben in Thailand diesbezüglich einen sehr zweifelhaften Ruf. Dass das nicht aus der Luft gegriffen ist, wird vor allem während der Regenzeit jedes Jahr aufs neue unter Beweis gestellt:
Fehlerhaft verlegte Kanalisationsrohre und zu dünn aufgetragene Fahrbahndecken lassen in Stadtgebieten immer wieder ganze Straßen einstürzen. Überall klagen die Bewohner über Wasserschäden in ihren Häusern, da Dächer und Dachrinnen ungenügend – oder auch gar nicht – abgedichtet sind. Bei Nachbesserungsarbeiten werden die undichten Stellen meistens mit Zement abgedichtet. Bitumen ist in Thailand zwar in jedem Baumarkt erhältlich, bei vielen selbsternannten "Dachdeckern" aber gänzlich unbekannt.

Realistische Zahlen zum Thema Arbeitslosigkeit lassen sich in Thailand nicht erstellen, da ein Großteil der Bevölkerung auf dem Land von der Agrarwirtschaft lebt. Wie viele Personen – in den dort lebenden Familien – nun tatsächlich einer regelmäßigen oder unregelmäßigen Tätigkeit nachgehen, kann unmöglich erfasst werden.
Ein weiterer großer Anteil der Bevölkerung geht einer Art "Freiberuflichkeit" nach, ohne diese angemeldet zu haben (Garküchen, Marktstände, handwerkliche Tätigkeiten, etc...).
JedeThailändischer Fliesenleger Art von Statistik geht bei diesem Thema an der Realität vorbei, zumal es kein soziales Netz gibt – und somit auch niemanden, der sich freiwillig arbeitslos melden würde.

Wer keiner "freiberuflichen" oder landwirtschaftlichen Tätigkeit nachgehen kann oder will, der versucht in der Regel an einen Fabrik-Job in Zentralthailand bzw. Bangkok und Umgebung zu gelangen. Zwar wird hier auch meistens nur unwesentlich mehr als der gesetzliche Mindestlohn (...siehe weiter unten) gezahlt, aber durch Überstunden und Nachtschichten lassen sich teilweise 1.500,- bis 2.000,- Baht (= ca. 32,- bis 43,- Euro) monatlich extra rausholen. Ausserdem werden von den Fabriken oft auch diverse Vergünstigungen (...z.B. kostenlose Hin-und Rückfahrt zur Arbeit im Firmenbus, preiswerte Apartments in Arbeitsplatznähe) angeboten. Anstellungen im den Service-Bereichen der besseren Hotels sind ebenfalls recht beliebt, da die Mitarbeiter hier meistens kostenlos beköstigt werden. Und die Trinkgelder – vor allem in der Hochsaison – erbringen meist auch einen brauchbaren, kleinen Nebenverdienst.

Da aufgrund der zunehmenden Landflucht die Nachfrage an Jobs dieser Art stark gewachsen ist, sind die Anforderungen an die Bewerber inzwischen sehr hoch: Bei den meisten Fabriken ist das Einstellungsalter auf Mitte 20! begrenzt. Wenn es sich um eine ausländische Firma handelt, wird oft ein Minimum an englischer Sprache verlangt – was für die meisten in Frage kommenden Bewerber dann zum Haupthindernis wird. Neben den üblichen Papieren (wie in Europa) wird zusätzlich ein Gesundheitszeugnis einer Klinik benötigt. Einige Firmen verlangen ein polizeiliches Führungszeugnis sowie die Zahlung einer Kaution für Arbeitskleidung. Nicht selten wird von Fabriken oder Hotels die Bürgschaft eines Familienmitglieds des neuen Angestellten verlangt.

Wer dann wirklich das Glück hat, und einen Job in einer Fabrik oder einem Hotel findet, der knüppelt 6 Tage die Woche und 8 Stunden pro Tag (08:00 bis 17:00 Uhr) – häufig mit monatlich wechselnden Schichten. Bezahlter Urlaub wird erst nach einem Jahr gewährt. Dieser beläuft sich dann auf stolze 6 - 8 Tage pro Jahr, die allerdings keinesfalls an einem Stück genommen werden dürfen!
Wie ich oben schon erwähnte, gibt es sogar einen gesetzlichen Mindestlohn in Thailand. Der liegt etwa zwischen 175,- und 190,- Bhat pro Tag (...also ungefähr zwischen 5.250,- und 5.700,- Baht pro Monat = ca. 115,- bis 126,- Euro pro Monat). Da die Lebenshaltungskosten in den Regionen Thailands unterschiedlich hoch sind, variiert die Höhe des Mindestlohns dementsprechend. In Bangkok sind Lebenskosten und Mindestlohn am höchsten.
Überstunden und Nachtschichten werden natürlich auch in Thailand nur dann angeboten, wenn die Auftragsbücher der Fabriken voll sind. Wer dann bereit ist, seine Arbeitszeit auf insgesamt etwa 12 Stunden!! pro Tag zu verlängern, kann so z.B. als ungelernter Thai-Arbeiter in der Fabrik eines Elektronikkonzern in oder um Bangkok auf maximal 7.000,- bis 8.000,- Bhat (= ca. 150,- bis 170,- Euro) pro Monat kommen. Ohne Überstunden und Nachtschicht bleiben dann 1.500,- bis 2.000,- Bhat weniger übrig.

Auch wenn es für Europäer utopisch erscheint, von 5.000,- bis 6.000,- Bhat im Monat in Thailand leben zu können, so zählt diese Einkommensgruppe keineswegs zu den ärmsten – denn immerhin leben zehn Prozent der Bevölkerung (also knapp über 6 Millionen Thais) von einem monatlichen Einkommen, das unter 1.400,- Bhat liegt.

Alle hier gemachten Angaben beziehen sich auf in Thailand arbeitende Thais.
Für Ausländer gelten zahlreiche komplizierte Sonderregelungen. Außerdem dürfen sie nur bestimmten Tätigkeiten nachgehen, da der Löwenanteil der Berufe nur von Thais ausgeübt werden darf (...weitere Infos siehe auch Wirtschaftsgesetz für Ausländer). Eine Arbeitserlaubnis wird Ausländern nur ausgestellt, wenn die anstehende Beschäftigung bei einer Firma nachgewiesen werden kann.

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