Die traditionelle Kunst Thailands:

Allgemeines:

Bei der kompletten Zerstörung der Bibliothek von Ayutthaya (am 07. April 1767 durch die Burmesen) wurden die meisten Schriften und Kunstwerke über die Frühgeschichte Siams für immer vernichtet.
Daher stützen sich bis heute alle Bezugspunkte – bezüglich Datierungen vor dem 14. Jahrhundert n. Chr. – auf Spekulationen und Indizien.
Sicher scheint dagegen zu sein, dass die erste Zivilisation in Siam die der "Mon" (auch bekannt als "Talaing") war, über deren genaue Herkunft allerdings widersprüchliche Informationen bestehen. Eine Theorie sieht die frühere Herkunft des Volkes der "Mon" in China – eine andere in Indien.
Tatsächlich weisen nicht nur Politik, Kunst und Architektur sondern auch Buddhismus und Brahmanismus der "Mon" eher auf indische Einflüsse hin, was aber kein Beweis für die Herkunft ist, denn man weiß, dass sie auch enge Handelsbeziehungen zu Indien pflegten.
Die "Mon" siedelten sich entlang der Flüsse in Gebieten an, die dem heutigen Thailand und Myanmar entsprechen, und vermischten sich dort mit der einheimischen Bevölkerung – dabei wurden wesentliche Teile ihrer Kultur bzw. ihrer Kunst etabliert.
Münzfunde, Ausgrabungen und Berichte von reisenden Mönchen belegen, dass die "Mon" im frühen 6. Jahrhundert n. Chr. in Nakhon Pathom das erste buddhistische Königreich in Südostasien gründeten, welches sie Dvaravati nannten. Obwohl das Reich von Dvaravati sich geographisch nur von Petchaburi bis Suphanburi erstreckte, war sein Machteinfluß erheblich. Es wird daher als Zentrum mehrerer lose miteinander verbundener "Mon" Königreiche betrachtet.
(Abbildung oben: Gesetzesrad der Mon – wahrscheinlich aus dem 8. Jahrhundert n. Chr.)

Innerhalb der Kunstepoche des Dvaravati-Reiches entstanden – mit unverkennbarem Einfluss aus Indien – erstmals riesige Stein- oder Bronzestatuen des meditierenden Buddhas in Sitzhaltung.
Die Ziegelbauten in dieser Zeit waren durch üppige Dekorarbeiten in Stuck oder Terrakotta geprägt.
Während der Herrschaft der Khmer entwickelte sich Lop Buri zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert zum Zentrum einer Kunstschule, deren Stilelemente eindeutig die Handschrift der Besatzer trugen.
(Abbildung unten: Darstellung des Angkor Wat aus dem Buch "Voyage au Cambodge: I'architecture Khmer" (1880) des Zeichners Louis Delaporte.)
Ebenfalls zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert entstand im Norden des heutigen Thailands der "Lanna-Kunststil", der sich vor allem durch aufwendig und liebevoll gestaltete Holzbauten sowie Buddha-Statuen aus Halbedelsteinen auszeichnete. Leider sind nur wenige der Original-Holzbauten von damals vom zeitlichen Verfall verschont worden.
Mit der Gründung Sukhothais (...1238 aus einer alten Khmer-Siedlung) entstand erstmalig ein völlig eigenständiger Kunststil, der seinen Höhepunkt unter der Herrschaft des legendären König Ramkhamhaeng (1279–1298) fand. Malereien, Bildhauereien und Architekturstile aus dieser – bis ins 15. Jahrhundert andauernden – Epoche gelten noch heute als die reinsten und ursprünglichsten Künste Thailands und hatten Vorbildcharakter für alle folgenden Epochen (...hier gehts zur Sukhothai-Fotostrecke).
Weit weniger Originalität besaß dagegen die künstlerische Periode des Reiches Ayutthaya (15. bis 18. Jahrhundert). Nicht wenige Kunstkenner bezeichnen die üppigen Ornamente und reich verzierten Statuen als überladen. Das künstlerische Erbe früherer Epochen wurde einfach übernommen, und im Sinne einer prunkvolleren Gestaltung angepasst.

Bis heute ist ein Großteil der thailändischen Kunst sowohl religiös als auch traditionell orientiert. Allerdings muss man zugeben, dass westliche Einflüsse ab Mitte des 19. Jahrhunderts deutlich ihre Spuren hinterlassen haben, und bestimmte Formen der darstellenden Kunst inzwischen sogar verdrängt haben – bzw. zu Touristenattraktionen degradiert haben.

Traditionelle Architektur:

Die religiöse Orientierung der thailändischen Kunst wird besonders in der Architektur deutlich, und findet ihre wohl typischste Darstellungsform in den Tempelanlagen.
(Abbildung unten: Prachtvolle Dekorationen eines Eingangsbereiches im "Wat Phra Thart Doi Suthep" in Chiang Mai)
Prunkvolle Dekorationen im Wat Phra Thart Doi Suthep in Chiang Mai Hier hat sich – ungeachtet der integrierten Einflüsse von Indern, Chinesen, Khmer und Burmesen – im Laufe der Jahrhunderte ein ganz individueller Stil entwickeln können, dessen unverwechselbare Art sich in aufwendig verzierten, geschichteten Dächer mit spitzen Aufsätzen – sowie vergoldeten Lackarbeiten, chinesischen Porzellanfragmenten, Perlmutt-Einlegearbeiten, und farbigem Glasmosaik zu erkennen gibt.
Zu den unverwechselbaren Glanzlichtern thailändischer Architektur zählen natürlich auch die Gebäude des Grand Palace in Bangkok (...zu finden in unserem Album Tempel-Teil-1).

Traditionelle Bildhauerei und Malerei:

Auch hier steht die religiöse Orientierung im Vordergrund – besonders in der Bildhauerei nehmen Buddha-Statuen das Hauptvolumen der künstlerischen Darstellungen für sich in Anspruch.
Falls keine Vorgaben (...z.B. bei einer Auftragsarbeit) bestehen, hat der Bildhauer die Wahl zwischen vier verschiedenen Haltungen zu wählen:
Stehend, sitzend, schreitend oder liegend.
Gefertigt werden die Stauen dann meistens aus Metallen, Eisen, Holz oder manchmal sogar aus Edelsteinen.
Als das schönste und klassischste Buddha-Bildnis in Thailand gilt die Statue des Phra Buddha Chinarat im Wat Phra Sri Rattana Mahathat in Phitsanulok (...siehe oben).
Neben den Buddha-Statuen werden ausserdem noch die Figuren mystischer Wesenheiten für die Tempelanlagen gefertigt. Die bekanntesten von ihnen sind der geflügelte "Garuna" (das Reittier des Gottes Vishnu), die "Naga" (Königin der Schlangen) sowie die "Yakshas" (Riesen zum Schutz der Tempelanlagen).
Die klassischen thailändischen Wandgemälde befinden sich sowohl in Tempelanlagen als auch in Palästen und beschäftigen sich vor allem mit dem Leben Lord Buddhas und Geschichten über die drei Welten (Himmel, Erde und Hölle).
(Abbildung unten: Wandmalereien im "Wat Chieng Mun" in Chiang Mai.)
Beeindruckende Wandmalereien im Wat Chieng Mun in Chiang MaiHier ein guter Link zu den Themen traditionelle Architektur, Bildhauerei und Malerei – die Internetpräsenz der thailändischen Nationalmuseen.

Traditionelle Literatur:

Die Anfänge der Literatur in Thailand bildeten lediglich – in Versform verfasste – Abhandlungen über die Themen Religion, König/Aristokratie.
Anfang des 20. Jahrhunderts wurde von König Vajiravudh (Rama VI.) die Prosa eingeführt, und Szenen des alltäglichen Lebens begannen die Werke der Thai-Schriftsteller zu bestimmen.

Traditionelle Tänze:

Ähnlich der chinesischen Oper, werden die klassischen Thai-Tänze meist in Verbindung mit einer dramatischen Geschichte sowie einer musikalischen Untermalung – die für westliche Ohren recht gewöhnungsbedürftig ist – präsentiert. Es gibt mehrere Formen:

Traditionelle Musik:

Die klassische thailändische Musik kommt vor allem bei religiösen Zeremonien sowie Theater-und Tanzaufführungen zum Einsatz. Sie besteht aus dem Zusammenspiel von Streichinstrumenten, Zupfinstrumenten, Holzblasinstrumenten und Schlaginstrumenten. Für westliche Ohren klingt sie anfangs recht disharmonisch und gewöhnungsbedürftig.

Klassische thailändische Musik

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