Die thailändische Sprache:

Seitdem die Authentizität der Inschriften der bedeutenden Ramkhamhaeng-Steintafel – die Mitte des 19. Jahrhunderts gefunden und auf 1292 datiert wurde – von westlichen Historikern bezweifelt wird, findet eine sehr emotionale Diskussion über die Geschichte der thailändischen Kultur statt.
Thailändische Schrift und Sprache Natürlich betrifft dieser Disput auch die Entstehung der thailändischen Schrift, denn während in thailändischen Schulen gelehrt wird, dass selbige vom legendären Sukhothai König Ramkhamhaeng um 1283 eingeführt worden sei, vertreten westliche Historiker und Sprachwissenschaftler eine andere Theorie: Sie glauben, dass die Basis der Thai-Schrift Grundzüge der Mon- und Khmer-Kulturen enthält, die im 14. Jahrhundert von den Thais aufgenommen und angepasst worden sind.
Ob
thailändische und westliche Historiker bzw. Wissenschaftler in dieser Frage jemals zu einer Einigung kommen werden, darf getrost bezweifelt werden.
Auf der anderen Seite, soll es aber auch nicht Aufgabe und Thema dieser Website sein, das herauszufinden. Solange nichts gegenteiliges offiziell bewiesen worden ist, soll König Ramkhamhaeng – von mir aus – weiterhin als der Vater der Thai-Schrift gelten.

Nehmen wir uns die Sprache mal etwas genauer vor.
Vergleicht man die thailändische Sprache z.B. mit der deutschen Sprache, so fällt als erstes folgender Unterschied auf:
Während bei der deutschen Sprache eine komplizierte Grammatik im Vordergrund, und eine relativ einfache Aussprache eher im Hintergrund steht – ist es bei der thailändischen Sprache genau umgekehrt. Die richtige Betonung der Worte ist das A und O, die Grammatik dagegen eher sekundär.
Da Thai eine Tonalsprache ist, kann ein Wort bis zu fünf verschiedene Bedeutungen haben, deren sinngemäße Unterschiede lediglich durch fünf unterschiedliche Tonhöhen/Betonungen kenntlich gemacht werden können.

Natürlich gibt es noch weitere Abweichungen zur deutschen Sprache:

Konsonanten:

Es gibt 44 Konsonanten (siehe unten), die ihren eigenen Namen haben, der mit dem Klang eines Objekts kombiniert wird. Zum Beispiel:
Gor Gai — Konsonant und Objekt (Huhn)
Kor Kai — Konsonant und Objekt (Ei)
Kor Kwai — Konsonant und Objekt (Büffel)
Quelle: Sriwittayapaknam School

Vokale:

Es gibt 18 Vokale und 6 Diphthongs (Doppellaute wie "ei", "au", "eu"). Diese erscheinen vor, unter, über, nach und rund um Konsonanten (siehe unten).
Quelle: Sriwittayapaknam School

Zahlen:

In der Schule lernen die Schüler von Anfang an das thailändische und das westliche Zahlen-System. Im Mathematik-Unterricht werden z. B. sowohl arabische als auch thailändische Zahlen genutzt (siehe unten). Die meisten Lehrbücher haben Seitenzahlen in arabischen Zahlen. Auch im Straßenverkehr werden Thai-Zahlen selten gesehen. Preise in Geschäften, Hausnummern und Bus-Nummern sind in der Regel ebenfalls in arabischen Zahlen.
Quelle: Sriwittayapaknam School

Eine der schwierigsten Angelegenheiten in der Thai-Sprache sind meiner Meinung nach – neben der Aussprache – der korrekte Einsatz von Klassifikationswörtern. Sie werden sowohl beim Zählen als auch beim Bezug auf ein spezielles Substantivs benötigt. Auch in der deutschen Sprache kommen Klassifikationswörter in begrenzter Form zum Einsatz, z. B. wenn bei einer Bestellung in einer Bäckerei das eigentliche Substantiv (...Kuchen) weggelassen und durch "Stück" ersetzt wird (...vier Stück bitte).
In der thailändischen Sprache werden Klassifikationswörtern beinahe in jedem Satz angewendet. Dabei bezieht sich jeweils ein Klassifikationswort auf eine ganze Gruppe von Substantiven. Leider erscheinen die meisten dieser über 30 Gruppen!! – nach westlichem Verständnis – willkürlich zusammen gewürfelt worden zu sein, sodass hier nur noch ein stures Auswendig lernen hilft.
Ein Beispiel: Das Wort "kan" steht als Klassifikationswort für folgende Substantive: Autos, Löffel, Schirme, Fahrräder, Gabeln, Fischangeln, Motorräder. Alles klar?

Neben den Klassifikationswörtern haben Wortzusammenfügungen in der thailändischen Sprache einen wichtigen Stellenwert. Ein großer Teil der Substantive besteht nicht aus separat kreierten Wörtern, sondern aus verschiedenen Begriffen, die zu einem Wort zusammengetragen wurden. Auch wenn diese zum einen in ihrer Logik oft sehr spaßig rüberkommen, so bilden sie zum anderen beim Lernen doch so manche Eselsbrücke.
Hier einige Beispiele:

  1. "nangsue" (Buch) "döön" (gehen) "thaang" (Weg)
    = Reisepass
  2. "naam" (Wasser) "kaeng" (hart)
    = Eis
  3. "rot" (Wagen) "fai" (Feuer) "faa" (Himmel)
    = Eisenbahn
  4. "tung" (Tüte) "tao" (Fuß)
    = Strumpf

Möchte nun ein Farang den Versuch starten Thailändisch zu lernen, so wird er im Gegensatz zu seinem Thai-Kollegen – der gerade versucht Deutsch zu lernen – recht bald in der Lage sein, einfache Bedürfnisse in einfachen Sätzen zu formulieren, die zumindest grammatikalisch nicht verkehrt sind.
Doch er sollte sich nicht wundern, dass er trotzdem nicht verstanden wird, wenn er die richtige Betonung der Worte nicht beherrscht. Das kann sogar zu fatalen Missverständnissen führen, denn durch eine fehlerhafte Betonung können – ungewollt – falsche Worte in den Satz einfließen, und den Sinn komplett verdrehen. Ein gutes Beispiel ist in diesem Zusammenhang die Aussage "Phom schoop kii maa": Je nach Betonung schwankt die Bedeutung dieses Satzes zwischen "Ich mag es, auf Pferden zu reiten", "Ich mag Pferdescheiße", "Ich mag es, auf Hunden zu reiten" oder "Ich mag Hundescheiße".
Der Thailänder wird bei seinem Versuch die deutsche Sprache zu erlernen, wahrscheinlich sogar früher Erfolge aufweisen können, denn auch mit einer völlig fehlerhaften Grammatik wird er seine Bedürfnisse wahrscheinlich erfolgreicher formulieren können, da die Möglichkeit von Missverständnissen aufgrund falscher Betonungen schon mal ausgeschlossen werden kann.

Fazit: Thai ist eine Sprache, die sich aufgrund der enormen Wichtigkeit von richtigen Betonungen nur mit Hilfe eines professionellen Sprachkurses und regelmäßigem Gesprächs-Training mit Thailändern richtig erlernen lässt. Sprachkurse in Form von Büchern oder DVD's können nur ein rudimentäres Grundwissen vermitteln, was allerdings für das Mitteilen einfacher, persönlicher Bedürfnisse ausreichen sollte.
Dazu kommt noch belastend, dass – ähnlich wie in Deutschland – in jeder Region Thailands ein eigener Dialekt gesprochen wird. Die Dialekte der einzelnen Regionen beinhalten nicht nur überraschende Abweichungen in der Aussprache sondern auch viele (...komplett unterschiedliche) Worte. Die Abweichungen sind teilweise derart krasser Natur, dass es z. B. so manchem Thai aus der Zentralregion ohne Erfahrung schwer fällt, einer Unterhaltung im tiefsten Isaan oder Süden folgen zu können.
Einem Thai-sprechenden Ausländer wird's dann wohl kaum leichter fallen...

Links:

Eine sehr gut gemachte Website rund ums Erlernen der thailändischen Sprache ist "LearningThai.com"

In dem Online-Wörterbuch "phuutthai.com" sind etwa 13.000 deutsche Begriffe mit thailändischer Übersetzung enthalten.

Einfache und nett gemachte kleine Lernvideos kann man sich unter
"Thai-Kurs.de" ansehen.

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