Die moderne Kunst Thailands:

Malerei, Fotografie und Bildhauere der Neuzeit:

Wer der Meinung ist, dass die thailändische Kunstszene nur aus Künstlern der alten Schule besteht, die Buddha-Statuen und Wandgemälde in Tempeln erstellen – der wird seine Meinung wahrscheinlich schon beim Betrachten der zahlreichen schrillen Graffitti-Kunstwerke im Straßenbild Bangkoks ändern.

Eine endgültige Überzeugung von der Vielseitigkeit der modernen, thailändischen Kunstszene bringt aber erst ein Besuch der wohl wichtigsten Kunstpräsenz Thailands — rama9art.
Hier erkennt man recht schnell, dass in Thailand heute nicht nur moderne sondern auch kritische Kunst möglich ist, wie es zum Beispiel der Künstler
Manit Sriwanichpoom mit seinem – für thailändische Maßstäbe recht gewagten –"Pink Man" auf rama9art schon vor Jahren bewiesen hat.
Selbst vor einer kritischen Auseinandersetzung mit eher unschöneren Ereignissen der thailändischen Geschichte ("Horror in Pink 2001" unter Portfolio/PinkMan Series) scheut der Künstler nicht zurück. Und das ist in Thailand nicht unbedingt der Regelfall.

Beeindruckend sind auch die Vielschichtigkeit und das Volumen der gesamten rama9art-Internetpräsenz. Spätestens das nicht enden wollende Künstler-Verzeichnis (Thai Artists) wird jeden Kunstliebhaber dezent darauf hinweisen, dass er einige Wochen einplanen muss, um dieses beeindruckende Gesamtkonzept komplett zu erforschen.

Unabhängig von den künstlerischen Projekten, die vom Staat bzw. vom Königshaus gefördert werden, mischt natürlich auch die Industrie in der Szene mit. Denn natürlich haben auch in Thailand große Marken schon lange erkannt, dass es einiges an Imagepflege bedarf, um Konsumartikel in den hart umkämpften Märkten zielgruppengerecht platzieren zu können.
Ein gutes Beispiel bieten in diesem Zusammenhang die aufwendig produzierten, jährlich erscheinenden, erotischen Fotokalender der Biermarken "LEO" und "CHEERS", die inzwischen eine Art Kultstatus erreicht haben – und deren Bilder wir daher in einem Special etwas näher vorstellen wollen.

Eine beachtliche Aufstellung an interessanten Links zum Thema "Kunst in Thailand" bietet außerdem noch die Kunst-Informations-Website "Universes in Universa".

Musik der Neuzeit:

Auch die thailändische Musikszene hat sich (seit den 1970er Jahren) in verschiedene Richtungen weiterentwickelt:
1. Unter dem Begriff "Thairock" verbirgt sich im Grunde alles, was von westlichen Einflüssen inspiriert wurde, egal aus welcher Schublade diese Inspirationen kamen. Detaillierte Bezeichnungen für die einzelnen Genres werden in Thailand nicht so genau genommen. Zwar kennt man die groben Richtungen "HipHop", "Punk", "Reggae", "Pop" — nicht aber feinere Unterscheidungen wie "Dub", "Ska", "Gothik", "Lounge", etc...
Abgesehen von "HipHop" und "Pop" werden die meisten Richtungen als "Rock" bezeichnet.
Betrachtet man den "Thairock" an sich, so fällt als erstes auf, dass ein Großteil der thailändischen Bands einer Stilrichtung frönt, die man in Europa als "Softrock" bezeichnen würde. Weiche akustische Klänge a'la Bon Jovy sind in Thailand außerordentlich beliebt, und erfreuen sich endloser Nachahmer. Härtere Rockbands sind dagegen seltener vertreten. Am besten kommt "Pure Unplugged String Music" an.
Einer der international bekanntesten Vertreter des "Thairock" ist der Künstler Sekson Sookpimay (Spitzname Sek, siehe oben links), der ganz besonders in den 1990er Jahren mit seiner Band Loso eine der Ikonen der thailändischen Rockmusik war. Einer seiner wohl bekanntesten und beliebtesten songs ist "Som Sarn", den er bei diesem Konzert zusammen mit dem thailändischen Pop-Sänger Thongchai Mcintyre (...bekannter als Bird) präsentiert.

Und weil Bird ebenfalls einer der ganz Großen in Thailand ist, sollte man sich am besten auch noch das Bird-Video "Kon Mai Mii Fan" gönnen.

Doch möchten wir hier keinesfalls den Eindruck aufkommen lassen, dass in ganz Thailand nur akustischer "Softrock" auf Begeisterung stoßen würde, denn mit Bands wie Silly Fools, Clash, Big Ass, Ebola, Dezember oder Bodyslam hat sich auch hier längst eine Szene etabliert, die sich eher an Vorbildern wie Linkin Park oder P.O.D. orientiert – und es auch gern mal ordentlich krachen lässt.
Wir finden, Ebola können das mit ihrem song "Proong Nee Mai Mee" im Video unten recht glaubwürdig unter Beweis stellen.

2. "Phleng Phuea Chiwit" kann man mit "Lieder für bzw. über das Leben" übersetzen. Rein musikalisch sind die Wurzeln dieser Musikrichtung irgendwo zwischen "Old-School-Rock" und "Folk" zu finden. Textlich stehen meist sozialkritische und politische Themen (Drogen, Korruption, Ausbeutung, Ungerechtigkeiten, Vetternwirtschaft, etc...) im Vordergrund. Die Entstehung dieser Musikrichtung geht zurück in die 1970er Jahre, eine – für Thailand – komplizierte Zeit, in der die Studenten den Ruf nach mehr Demokratie auf Bangkoks Straßen brachten.
Prominentester Vertreter der "Phleng Phuea Chiwit" Richtung ist die bekannte Thailändische Band Carabao, die inzwischen seit 1976 existieren, etwa 25 Studialben auf dem Buckel haben, und nicht nur in Thailand sowas wie Kultstatus geniessen.
Im Gegensatz zu anderen Bands dieser Richtung, setzten die Carabao-Musiker von Anfang an auf musikalische Flexibilität, und ließen Stilemente aus Latin/Salsa, Country und Reggae dezent in ihre Musik mit einfließen. Der Song "Khon Lah Fan" ist ein schönes Beispiel für diese Vielseitigkeit.

3. Obwohl der Musik-Stil "Luk Thung" bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts existierte, kam der Name erst in den 1960er Jahren dazu. Übersetzt bedeutet es soviel wie "Kinder der Reisfelder". "Phleng Luk Thung" heißt somit "Lied der Kinder der Reisfelder", was natürlich impliziert, dass es sich um eine ländliche Musik handelt. Doch ist das so nicht richtig, denn "Luk Thung" erfreut sich in ganz Thailand (incl. der Metropolen einer großen Beliebtheit).
Richtig ist dagegen, dass die Texte des "Luk Thung" hauptsächlich das Leben und die Probleme der Landbevölkerung beschreiben – ohne dabei aber kritisch erscheinen zu wollen; also im Grunde das genaue Gegenteil von "Phleng Phuea Chiwit". In gewisser Weise könnte man diese Musik durchaus als modernisierte Volksmusik bezeichnen.
Tatsache ist eben auch, dass eine gewisse musikalische Genre-Verwandschaft zwischen "Luk Thung" und "Mor Lam" (einer uralten Volksmusik aus Laos, die sich noch heute großer Beliebtheit im Isaan erfreut) besteht. Doch während "Mor Lam" sich streng an seinen Wurzeln orientiert, hat der "Luk Thung" seit den 1980er Jahren einige Verschmelzungen mit der Pop-Musik erlebt, was ihn auch für jüngere Thais wieder attraktiver gemacht hat.
Als Superstars beider Genres gilt Jintara Poonlarp (siehe oben), deren schrille Stimme sowohl für "Mor Lam" als auch für "Luk Thung" maßgeschneidert zu sein scheint. Hier eine Kostprobe in Form des Songs "Mai Lor Kor Ok".

Und weil uns allen das jetzt so richtig ans Herz ging, legen wir noch einen drauf – mit Siriporn Ampaiporn und "Bor Rak See Dam", einem Genre-Klassiker, den alle Thailänder zwischen 8 und 80 Jahren kennen.

Zum Schluss noch ein netter Link zum Thema Thai-Music:
Die Website "Radio Station World" bietet den besten Überblick an thailändischen Radiostationen im Web.

Wer jetzt noch weiter dem wunderbaren Thema Musik frönen möchte, dem empfehlen wir einen Abstecher zu unserem YouTube Channel "thailandblick" – auf dem wir unter anderem auch eine kleine, feine Palette an Thai-Musik-Clips aus den verschiedensten Genres vorstellen.
Und weil die musikalische Welt ganz offensichtlich nicht nur aus Thai-Sound besteht, findet man dort ebenfalls noch meine ganz persönlichen Favoriten aus dem Universum der Farang-Musik.
VIEL SPASS!

Filmkunst der Neuzeit:

Thailands Filmindustrie hat sich gemausert und ist auf dem besten Weg, sich neben Hongkong, Japan und Korea als feste Größe des asiatischen Kinos zu etablieren.
Vorbei und vergessen scheint die Zeit der Bedeutungslosigkeit, in der in Thailand hauptsächlich fröhliche aber hohle Karaoke-Komödien mit leicht nationalistischem Unterton produziert wurden – und ansonsten ausländische Produktionen den Markt bestimmten.
Etwa seit Mitte der 1990er Jahre herrscht ein anderer Wind in Thailands Kino-Landschaft – und das ist auch im Ausland angekommen, denn thailändische Produktionen erfreuen sich (...zumindest auf dem DVD-Markt) großer Beliebtheit.
Regisseure wie z.B. die Brüder Oxide und Danny Pang sorgten dafür, dass auch Themen wie Gewalt, Einsamkeit, Sex und Drogen Einzug ins thailändische Kino erhielten. Wobei natürlich die thailändische Zensur hier harte Grenzen setzt: Zumindest die Darstellungen von Geschlechtsteilen, weiblichen Brüsten, sexuellen Aktivitäten und Drogenkonsum (dazu zählt inzwischen auch das Rauchen!) wird von den Behörden nicht geduldet und muss sich auf dezente Andeutungen beschränken. Die Darstellung von Gewalt wird dagegen in einem wesentlich großzügigeren Maße geduldet, als z.B. in Deutschland.
Auch die Palette der Genres hat sich inzwischen erweitert:
1. Komödien dominieren nach wie vor den inländischen Markt – doch werden auch hier step by step gewagtere Themen miteinbezogen, was noch bis Anfang der 1990er Jahre so gut wie unmöglich gewesen wäre:
Diebe, die sich als Mönche tarnen und in einem Kloster verstecken, Transvestiten, die als Kronzeugen japanische Ermittler verführen wollen, etc...
Da der asiatische Humor für westliche Betrachter in den meisten Fällen eher albern als lustig erscheint, schaffen thailändische Komödien zwar den Weg in andere asiatische Länder – selten aber nach Europa. Ausnahmen bilden natürlich die beliebten Hong Kong Action-Komödien a'la Jackie Chan. Und neuerdings gibt es auch die in Thailand: Nach dem inländischen Riesenerfolg von "Bodyguard" war es nur eine Frage der Zeit, bis "Bodyguard 2" (...nach dem teurer, schneller, lauter, besser Prinzip) als Blockbuster einschlagen würde.

2. Historienepen werden immer beliebter und können dank üppigeren Budgets inzwischen auch auf dem internationalen Markt mithalten. Das einzige Manko dieser phantastisch dekorierten Schlachtplatten, ist häufig der – mehr als nur dezent – mitschwingende nationalistische Unterton. Besonders einige der thailändischen Lieblingsthemen (...z.B. Ayutthaya und die birmanischen Aggressoren) laden immer wieder gern dazu ein, den thailändischen Nationalstolz in den Vordergrund zu stellen.
Ein mehrfach ausgezeichnetes Meisterwerk der thailändischen Historienfilme ist die Verfilmung der heldenhaften Geschichte des Dorfes "Bang Rajan".

3. Horrorfilme sind eine Spezialität Thailands – und das gilt ganz besonders für Geisterfilme. Da in Thailand der Animismus seit Urzeiten im Glauben der Menschen verankert ist, wird dem Thema Geister ein wesentlich höherer Stellenwert zugesprochen, als z.B. in der westlichen Welt. Dementsprechend beliebt sind Filme über dieses Thema. Häufig handelt es sich um die unzufriedenen und rachsüchtigen Geister von Verstorbenen, denen im Leben Unrecht getan wurde, Erdgeister, denen nicht genug Respekt erwiesen wurde, oder Geister von Tieren (z.B. Geckos), die sich an ihren Peinigern rächen wollen.
Häufig leben die Geister auch in Trommeln, Puppen oder Gefäßen. Sehr oft geht es in diesen Produktionen blutiger als in amerikanischen Splatterfilm zur Sache (...bestes Beispiel die Trilogie "Art of the Devil"), und nicht selten sitzen dabei 4–7 jährige im Kino zwischen ihren Eltern.
Ein zeitlose Perle des Genres ist dagegen "Shutter", ein beängstigender Gruselfilm von Parkpoon Wongpoom und Banjong Pisonthanakun aus dem Jahre 2004, der überflüssigerweise 2008 ein Hollywood-Remake über sich ergehen lassen musste. Hier der Trailer zum Original:

4. Martial Arts Produktionen sind zwar nach wie vor hauptsächlich unter der Kontrolle Hong Kongs, aber mit "Ong Bak" gelang es Thailand 2003 einen Kracher ins internationale Rennen zu schicken, der sich nicht nur mit einer – genial in Szene gesetzten – traditionellen Muay Thai Kampftechnik von der Konkurrenz abheben konnte. "Ong Bak" glänzte mit einer lockeren Verknüpfung der Themen Buddhismus, Loyalität zur Familie, Verrat – sowie einer Menge Spaß; z.B. durch irrsinnige Verfolgungsjagten per TukTuk quer durch Bangkoks Innenstadt.
Leider konnte an den Erfolg von "Ong Bak" bisher nur sehr müßig mit einer Ergänzung namens "Dtom Yam Gung" angeknüpft werden. Andere thailändische Martial Arts Produktionen setzen leider deutlich mehr auf Akrobatik als auf Handlung und Atmosphäre. Hier der "Ong Bak" Trailer:

5. Independent-Filme, die sich zwischen den einzelnen Genre-Klischees bewegen, und dabei mehr Wert auf künstlerisches Niveau als auf kommerziellen Erfolg legen, gibt es ebenfalls in Thailand. Besonders die Filme der – bereits genannten – Brüder Oxide und Danny Pang brachten Thailand auf internationalen Festivals erstmals in die Schlagzeilen, und wurden in der Presse als "Thailands Antwort auf Tarantino" gelobt. Filme wie "Bangkok Dangerous" oder "One Take Only" lieferten in der Tat ein bis dato relativ unbekanntes, düsteres Szenario aus dem Land des Lächelns.
Zum Publikumsliebling der europäischen Festival- und Programmkinobesucher wurde dann allerdings 2003 Regisseur Ekachai Uekrongtham mit seiner poetischen Verfilmung der wahren Geschichte des transsexuellen Boxers Nong Toom, der sich in Thailand schließlich einer Geschlechtsumwandlung unterzog, und damit seine Karriere beenden musste.
In Thailand kam "Beautiful Boxer" dagegen weniger gut an, da schon vorher die reale Geschichte für ausreichend kontroverse Diskussionen gesorgt hatte.
Hier noch zum Abschluss der Original-Trailer von "Bangkok Dangerous" aus dem Jahr 2000, der 2008 übrigens ebenfalls einem völlig überflüssigen Hollywood-Remake zum Opfer fiel.

Links zum Thema Thai-Film:

Die deutschsprachige Website "molodezhnaja" bietet unter anderem detailierte Informationen über thailändische Filme von 1970!! bis heute. Alles mit Inhaltsangaben und Filmkritiken vom feinsten. Ausserdem werden die wichtigsten Regisseure Thailand in einem Special vorgestellt.

Die englischsprachige Website "Hong Kong Cinema" bietet in ihrer Rubrik
"Thai Film Reviews" ebenfalls eine Aufstellung thailändischer Filme – mit jeweiligen Kritiken.

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