Anfang der 1970er Jahre begann Karaoke von Japan aus die Welt zu erobern. Zuerst konnte die – für viele Menschen noch immer recht merkwürdig anmutende – Freizeitbeschäftigung nur die
Herzen der Bewohner anderer asiatischer Länder für sich gewinnen. Doch auch das ist nur noch Geschichte, denn inzwischen existiert eine weltweite Karaoke Fangemeinde – die nicht nur Wettbewerbe am Fließband, sondern sogar eine jährliche Karaoke-WM veranstaltet.
Dass sich diese Entwicklung in Thailand besonders großer Begeisterung erfreut, sollte niemanden – der die Thailänder kennt – in Erstaunen versetzen, denn Karaoke bietet im Grunde alles, was bei Thais gut ankommt:
Im Prinzip funktioniert Karaoke wie ein Mischpult:
Die Stimme des Originalsängers wird ausgeblendet und dafür die des Karaokesängers eingeblendet. Man benötigt dazu zwei Komponenten, die in Thailand in jedem besseren Supermarkt zu bekommen sind:
1. Einen Karaoke DVD/VCD-Player mit ein oder zwei Mikrofon-Anschlüssen, der übrigens auch zum Abspielen normaler DVD's/VCD's genutzt werden kann.
2. Eine Musik DVD/VCD mit zusätzlichem Karaoke-Modus (siehe Abbildung oben) – sie kann ohne Karaoke-Einsatz auch als normale Musik DVD/VCD (...also mit Originalgesang) abgespielt werden kann.
Möchte man jetzt im Rahmen eines ausgelassenen Ess-und-Trink-Gelages die Karaoke-Party starten, dann greifen sich die Beteiligten das bzw. die Mikrofon(e) schmeißen die Karaoke DVD/VCD in den oben genannten Player, stellen diesen auf "Karaoke-Betrieb" und los!
Wie von Geisterhand verschwindet dann der Gesang des Original-Künstlers aus dem song, während der Text (...für alle, die ihn noch nicht auswendig kennen) am unteren Bildrand weiterläuft.
Und anstelle des Originalgesangs erscheinen jetzt die Stimmen der mit einem Mikrofon bewaffneten Karaokekünstler aus den Lautsprechermembranen. Bei guten Playern kann man die Lautstärke der eingesampelten Stimmen separat einstellen, bei einfachen Geräten nicht.
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Karaoke wird in Thailand überall und zu jeder sich bietenden Gelegenheit praktiziert. Erstaunlich viele Familien haben einen Karaoke DVD/VCD-Player inclusiv Mikrofonen und einer stolzen Sammlung an Karaoke DVD's oder VCD's zu Hause stehen.
(Abbildung unten: Spontane Karaoke-Session bei einer Familie auf dem Land.)
Wem es zu langweilig ist, immer nur zu Hause sein Talent zum besten zu geben, der besucht eine der unzähligen Karaoke-Bars, die es in Thailand in den Dörfern – aber erst recht in den Städten – wie Sand am Meer gibt. Die qualitativen Unterschiede sind parallel zum Eintritts- bzw. Getränkepreis gewaltig. Es gibt einfache Karaoke-Bars, die eher den Eindruck einer mit Lautsprechern und Lichterketten aufgerüsteten Garküche machen – und es gibt andere (...vor allem in den Touristenorten), die wiederum an Hightech-Discos mit Großwandleinwand erinnern. In letzteren finden dann auch des öfteren aufwendig beworbene Wettbewerbe statt. Für die Auswahl der Songs wird manchmal eine Art Speisenkarte mit Hunderten von Thai- und internationalen Songs gereicht.
Auch viele Hotels sind in das gigantische Geschäft eingestiegen, und bieten neben Tagungsräumen auch komfortabel eingerichtete Karaoke-Räume, die gegen eine Gebühr für Kindergeburtstage, Betriebsfeiern oder Hochzeitsparties gemietet werden können. Der Gewinn ergibt sich für das Hotel vor allem durch das dazu servierte Büffet und die Getränke.
(Abbildung unten: Zwei junge Thai-Damen beim Karaoke-Duett.)
Foto: Exceedcharge
Lizenz: Creative Commons Attribution ShareAlike 2.0
Eine bei Kids sehr beliebte Masche sind die Karaoke-Kabinen in den großen Shopping-Centern der Städte. Man stelle sich das ganze wie einen riesigen Computer-Game-Shop vor, der in zahlreiche Kabinen aufgeteilt ist, die jeweils maximal vier Kids aufnehmen. Nach dem Einwerfen von 10 Baht erscheint der gewünschte Song auf dem Bildschirm – und schon kann der Spaß beginnen. Natürlich gibt es auch von dieser Variante wiederum Luxusausführungen mit komfortableren Kabinen, die für etwa 350 - 500 Baht für eine Stunde gemietet werden können.
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Obwohl sich Karaoke auch in westlichen Ländern mehr und mehr als Entertainment-Instrument etabliert, wird es dort wahrscheinlich nie den gleichen Stellenwert wie in Thailand einnehmen. Aber das ist nur meine ganz persönliche Vermutung — und eigentlich sollte man ja niemals nie sagen...
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