Etwa 94% der thailändischen Bevölkerung bekennen sich zum Theravada-Buddhismus, der ältesten noch existierenden Form des Buddhismus, der seine Abstammung auf jene Mönchsgemeinde zurückführt, die zu den ersten Anhängern Buddhas gehörte.
(Abbildung unten: Buddha-Bildnis im Wat Sankat Rattana Khiri in der Provinzhauptstadt Uthai Thani.)
Inoffiziell ist der Theravada-Buddhismus schon jetzt Thailands Staatsreligion. Eine offizielle Einführung wird ebenfalls angestrebt, zumal die buddhistische Doktrin schon jetzt in fast allen Schulen des Landes fest im Lehrplan verankert ist. Doch liegt die Betonung hier eindeutig auf dem Wort FAST, denn in den Problemprovinzen des moslemischen Südens steht der Buddhismus keineswegs auf dem Lehrplan – und daran wird sich wohl auch in Zukunft nichts ändern.
Andere Religionen geniessen in Thailand staatlichen Schutz. Und Platz zwei auf der Liste wird dann auch mit stolzen 4% von den Moslems belegt, die verstärkt im Süden des Landes zur Grenze nach Malaysia leben. Es folgen Hindus mit etwa 1% (hauptsächlich Inder), und letztendlich noch etwa magere 0,6% Christen. Nur ca. 0,4% der Menschen, die in Thailand leben, bezeichnen sich als religionslos.
Entwicklung und Verbreitung des Buddhismus von
Nordindien bis Thailand:
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Der Begründer des Buddhismus war Siddhartha Gautama, dessen Lebensdaten heute umstritten sind. Traditionell wird seine Geburt auf den Mai 563 v. Chr. und sein Tod auf den Mai/April 483 v. Chr. datiert. Neueren Forschungen zu Folge lebte er von ca. 450 bis ca. 370 v. Chr.
(Die beiden folgenden Zeichnungen stammen aus einem thailändischen Postkarten-Set. In den über 30 Illustrationen wird gezeigt, wie Siddhartha Gautama lebte – und wie er zum Buddha wurde. Das Umfeld wurde dabei "recht dezent" von Nordindien nach Thailand verschoben.)
Siddhartha Gautama stammte aus einer der regierenden Adelsfamilien in der Adelsrepublik der Shakyas und lebte in der Gegend von Kapilavatthu in Nordindien, wo er in einem Palast in einer Art goldenem Käfig aufwuchs. Da sein Vater (der Fürst Suddhodana) in ihm den idealen Nachfolger sah, wurde alles kranke, hässliche und verderbliche von ihm ferngehalten und ihm stattdessen eine heile Welt vorgegaukelt.
Doch als er eines Tages erstmalig mit dem wahren Leben außerhalb des Palastes in Berührung kam, erkannte er durch die Konfrontationen mit Alten, Kranken und Toten, dass das Leben nur aus Leid besteht. Mit etwa 29 Jahren beschloss er daher, Haus und Familie zu verlassen, um nach einem Weg aus diesem allgemeinen Leid zu suchen.
Das Treffen mit den Asketen, und die Befolgung deren Lehren führte ihn nicht zum Erfolg.
Durch die Kraft der Meditation (..."mittlerer Weg") erreichte Siddharta Gautama in seinem 35. Lebensjahr – am Ufer des Neranjara-Flusses bei Gaya – die vollkommene Erleuchtung (Bodhi), nach der er als Buddha (der Erleuchtete) bekannt wurde.
Etwa 45 Jahre zog er predigend und lehrend durch Nordindien und gründete in dieser Zeit eine Art Orden, der Männern und Frauen aus allen sozialen Schichten zugänglich war. Die in Indien vorherrschende Kastenordnung akzeptierte er nicht. Im Alter von 80 Jahren verstarb Siddharta Gautama – der Legende nach in Kusinara – nach einem verdorbenen Gericht an Ruhr.
Nach seinem Tode fand ein erstes Konzil unter seinen Jüngern statt, das der Zusammenstellung der heiligen Schriften diente.
Das zweite Konzil, das etwa 100 Jahre später stattfand, und sich mit der Auslegung der Bestimmungen zur Ordenszucht befasste, führte zu einer Spaltung der Anhängerschaft:
1. Die Mehrheit der Anhänger bildeten die Gruppe der Mahasanghika, die zum Mahayana-Buddhismus führte.
2. Die Minderheit der Anhänger bildeten die Gruppe der Theravadin, die einen eher orthodoxen Standpunkt vertraten, und den Theravada-Buddhismus ins Leben riefen.
Zwischen 270 und 230 v. Chr. hielten die Theravada-Buddhisten unter König Asoka in Patna ein drittes Konzil ab. Seit dieser Zeit liegen die heiligen Schriften des Theravada in der Pali-Sprache vor, einer Sprache die sowohl Elemente der Sprache aus der Gegend von Bophal in Indien als auch aus Buddhas eigener Sprache enthält.
Im Rahmen dieses dritten Konzils schickte König Asoka Missionare nach ganz Südostasien, um den neuen Glauben zu verbreiten. Wann der Buddhismus in das Gebiet des heutigen Thailands gelangte, weiß man nicht genau. Denn da die komplette Bibliothek Ayutthayas – mit allen Schriften und Kunstwerken über die Frühgeschichte Siams – 1767 der Zerstörungsorgie der Burmesen zum Opfer fiel, stützen sich bis heute alle Bezugspunkte auf Datierungen vor dem 14. Jahrhundert n. Chr. auf Spekulationen und Indizien.
Eine verbreitete Theorie besagt, dass der buddhistische Glaube Anfang des 6. Jahrhundert n. Chr. durch das Volk der "Mon" in die Gegend um Nakhon Pathom gelangte. Dort begannen die "Mon" zu dieser Zeit mit dem Aufbau des ersten buddhistischen Königreichs in Südostasien – dem sie den Namen "Dvaravati" gaben (siehe auch
Die Vorfahren der Thailänder...?).
Der Theravada-Buddhismus konnte sich in Thailand dagegen erst unter dem legendären König Ramkhamhaeng etablieren, der 1279 den Thron von Sukhothai bestieg.
Philosophie, Regeln und Umsetzung des
Buddhismus in Thailand:
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Fragt man einen gläubigen Buddhisten in Thailand, wie sich die Haupterkenntnis des Buddhismus am besten in Worte fassen lässt, so erhält man
meistens die Antwort:
"Alles Leben ist Leid".
Interessant ist, dass gerade die lebenslustigen Thais, denen ihr "Sanuk" (Spaß) im Leben über alles geht, diese spezielle Erkenntnis Buddhas so unglaublich oft und gerne zitieren.
Der darin liegende Widerspruch mag westliche Ausländer zwar irritieren, Thais haben in der Regel mit scheinbaren Unvereinbarkeiten dieser Art keine Probleme, denn schließlich handelt es sich hier um keinen Einzelfall.
Wer sich die fünf Sittenregeln des Buddhismus einmal genauer anschaut, der wird schnell feststellen, dass sie sich eigentlich nur schwer (oder auch gar nicht) mit der thailändischen Lebensweise in Einklang bringen lassen:
Alle buddhistischen Thais (also etwa 94% der Bevölkerung) kennen diese Gebote. Dennoch werden von einem Großteil der Bevölkerung mehrere dieser Gebote täglich gebrochen.
Auch "Meditation" (...zur Befreiung von Gier und Hass, zur Erlangung von Weisheit, Mitgefühl und innerem Frieden) und "Dhana" (...achtsamer Umgang mit allen Wesen und Dingen, Ausübung von Sparsamkeit, Herstellung von Harmonie) sollten nach buddhistischer Philosophie feste Bestandteile des täglichen Lebens sein.
Leider stehen aber Werte wie Abstinenz, Sparsamkeit und achtsamer Umgang mit Wesen und Dingen dem – alles dominierenden – materiellen Streben der Thais nur im Weg.
Die Autoren Alice Aarau, Robert und Nanthapa Cooper haben in ihrem Buch "Reisegast in Thailand" dieses Phänomen mit einem herrlichen Satz beschrieben – der den Nagel auf den Kopf trifft:
"Das buddhistische Ideal der Meditation und Weltentsagung bildet eine Einheit des Widerspruchs mit der unbändigenden Lebensfreude der Thais."
Die Missachtung der buddhistischen Sittenregeln im alltäglichen Leben erscheint um so merkwürdiger, wenn man bedenkt, mit welcher peinlichen Genauigkeit Thailänder die buddhistischen Anstandsregeln in Bezug auf Mönche und religiöse Orte beachten:
(Ausländische Besucher tun übrigens gut daran, diese Regeln beim Besuch von Tempeln ebenfalls zu beachten.)
Tempel, Mönche und Novizen:
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Tempelanlagen sind die Zentren der buddhistischen Zeremonien und sind in zwei Bereiche unterteilt: Der Wohnbereich der Mönche und der religiöse Bereich. Die thailändische Bezeichnung für Tempel ist "Wat", und es gibt über 30.000 davon im ganzen Land.
Thailänder haben großen Respekt vor ihren Tempeln und Mönchen, und versuchen diese nach besten Möglichkeiten zu unterstützen. Dazu gehören bei buddhistischen Veranstaltungen die Abgabe von kleinen (oder auch größeren) finanziellen Spenden an die Tempelkasse – und vor allem die Speisung der Mönche, was besonders in ländlichen Regionen als selbstverständlich gilt.
Viele Dorfbewohner stehen bereits mit dem Erklingen der Tempelglocken im Morgengrauen auf, um in stundenlanger Arbeit frische Speisen und frischen Reis für die Mönche zuzubereiten, die in der Regel zwischen 6:00 und 7:00 Uhr in einer kleinen Kolonne durch das Dorf ziehen, um die Speisen zu empfangen. Die Unterstützung der Tempel und Mönche wird von den Thais als "Tambun" bezeichnet, was so viel wie "Gutes tun" bedeutet.
Fast jeder männliche Thai verbringt als junger Mann einmal in seinem Leben einen Zeitraum zwischen fünf Tagen und drei Monaten als Novize in einem "Wat", um den Eltern Respekt zu bekunden und die buddhistische Lehre zu studieren. Gern wird hierzu die jährliche Regenzeit genutzt, da die Mönche zu dieser Zeit ihre Wanderungen einstellen und im Tempel bleiben.
Wer mit 20 Jahren noch als Novize im "Wat" verweilt, muss sich entscheiden den Tempel zu verlassen oder Mönch zu werden. Die Entscheidung Mönch zu werden, hat keine lebenslange Bindung zur Folge. Die meisten Mönche leben nur vorübergehend im Tempel, um später wieder in ihr altes Leben zurück zu kehren. Manche von ihnen sind sogar verheiratet. Allerdings unterliegen alle Mönche und Novizen (rund um die Uhr) einem strengen Zölibat – was beinhaltet, dass Frauen nicht einmal berührt werden dürfen.
Da Mönche sich in Thailand nicht mit weltlichen Angelegenheiten beschäftigen, müssen bürokratische, gesetzliche Dinge von anderer Seite für sie geregelt werden. Offiziell ist dafür das "Department of Religious Affairs" zuständig, das wiederum dem Bildungsministerium untersteht. Hier beschäftigt man sich nicht nur mit Tempelbau (...incl. den dadurch entstehenden Fragen zum Landbesitz) und mit Planungen zur Restaurierung wichtiger buddhistischer Darstellungen – sondern auch mit religiösen, strafrechtlichen Vergehen.
Laut Verfassung ist der thailändische König der Wahrer aller Religionen im Land.
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Wer mehr über das Leben und die Aufgaben der Mönche wissen möchte, dem möchte ich an dieser Stelle den sehr authentisch geschriebenen Bericht
"Das Mönchsleben auf dem Land" ans Herz legen.
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