Die Vorfahren der Thailänder...?

Der 07. April 1767 war in mehrfacher Hinsicht einer der schwärzesten Tage in der Geschichte Siams. Bereits seit 1760 wurde Ayutthaya – die damalige Hauptstadt Siams – immer wieder von burmesischen Angriffen und Belagerungen heimgesucht, konnte aber alle Versuche der Burmesen vereiteln. Das änderte sich 1766, als der burmesische König Hsinbyushin mit einer überlegen starken Streitmacht zurückkehrte, und die Stadt über ein Jahr lang belagerte.
Wat Phra Sri Sanphet in Ayutthaya
(Abbildung oben: Wat Phra Sri Sanphet gilt mit seinen drei großen Chedis noch heute als das Wahrzeichen von Ayutthaya)

Am 07. April 1767, konnte Ayutthaya der Belagerung nicht mehr standhalten, und wurde dem Erdboden gleichgemacht. Die Überlebenden wurden versklavt, und was nicht zerstört wurde, das wurde geplündert.
Auch die komplette Bibliothek – mit allen Schriften und Kunstwerken über die Frühgeschichte Siams – fiel dieser Zerstörungsorgie zum Opfer. Daher stützen sich bis heute alle Bezugspunkte auf Datierungen vor dem 14. Jahrhundert n. Chr. auf Spekulationen und Indizien.

Sicher scheint dagegen zu sein, dass die erste Zivilisation in Siam die der "Mon" (auch bekannt als "Talaing") war, über deren genaue Herkunft allerdings widersprüchliche Informationen bestehen. Eine Theorie sieht die frühere Herkunft des Volkes der "Mon" in China – eine andere in Indien.
Tatsächlich weisen nicht nur Politik, Kunst und Architektur sondern auch Buddhismus und Brahmanismus der "Mon" eher auf indische Einflüsse hin, was aber kein Beweis für die Herkunft ist, denn man weiß, dass sie auch enge Handelsbeziehungen zu Indien pflegten.
Die "Mon" siedelten sich entlang der Flüsse in Gebieten an, die dem heutigen Thailand und Myanmar entsprechen, und vermischten sich dort mit der einheimischen Bevölkerung – dabei wurden wesentliche Teile ihrer Kultur etabliert.
Münzfunde, Ausgrabungen und Berichte von reisenden Mönchen belegen, dass die "Mon" im frühen 6. Jahrhundert n. Chr. in Nakhon Pathom das erste buddhistische Königreich in Südostasien gründeten, welches sie Dvaravati nannten. Obwohl das Reich von Draravati sich – rein geographisch – nur von Petchaburi bis Suphanburi erstreckte, war sein Machteinfluß erheblich. Es wird daher als Zentrum mehrerer lose miteinander verbundener "Mon" Königreiche betrachtet.

Da die Stärke der "Mon" mehr im Handel als im militärischen Bereich lag, wurden sie im 9. Jahrhundert – durch das Auftreten der kriegerisch überlegenen "Khmer" – mit einem Problem konfrontiert, das den Untergang des Reiches Draravati einläuten sollte.
(Abbildung oben: Darstellung des Angkor Wat aus dem Buch "Voyage au Cambodge: I'architecture Khmer" (1880) des Zeichners Louis Delaporte.)

Das "Khmer" Reich, das im Jahre 802 n. Chr. von einem Fürsten namens Jayavarmann II. in Angkor (...nahe der heutigen Stadt Siem Reap in Kambodscha) gegründet wurde, war ebenfalls von indischen Einflüssen geprägt – verfügte zudem aber über eine militärisch organisierte Gesellschaftsform.
Noch vor dem eigentlichen Auftreten der "Khmer" machte sich in diesen unsicheren Zeiten eine neue Entwicklung bemerkbar. Kleine, eigenständige siamesische Königreiche entstanden (...vor allem im Norden Siams zur Grenze des heutigen Laos) in den Jahren zwischen 850 und 1000 und wagten die ersten Versuche von Allianzen.
Im Jahre 1006 übernahm Suryavarman I. den Thron von Angkor, und brachte in den folgenden Jahren das gesamte Becken des Chao Phraya und das südliche Hochland des nordöstlichen Siams unter die Herrschaft der Khmer.
Sein Nachfolger – Suyavarman II. – konnte das Reich vom Nordosten bis nach Sukhothai (damals noch namenlos und unbekannt) erweitern.
Unter Jayavarman VII., der den Thron 1181 in Angkor bestieg, wurde das Reich der "Khmer" noch um das untere Becken des Chao Phraya bis Nakhon Pathom erweitert. Nördlich wurden die Gebiete bis Vientiane im heutigen Laos vergrößert und im Süden kamen noch große Teile der Malayischen Halbinsel hinzu.
Nach Jayavarman VII. begann die Macht des "Khmer"-Reiches zu bröckeln. Innenpolitische Fehlentscheidungen, Versorgungsengpässe und eine schlecht organisierte Kontrolle der eingenommenen Provinzen in Siam führten zu einer drastischen Schwächung des Reiches.
Den Siamesen blieb das natürlich nicht verborgen – und so begann der Wiederstand kleiner, eigenständiger siamesischer Dynastien – die sich zwischen 850 und 1000 gegründet hatten – gegen die "Khmer" Eindringlinge zu wachsen. In heftigen Kämpfen verloren die geschwächten "Khmer" zunehmend in immer mehr Provinzen die Kontrolle.

Im Jahre 1238 konnten verbündete siamesische Einheiten unter der Führung von zwei Thai-Fürsten (…Khun Bang Klang Tao und Khun Pha Mung) die "Khmer" aus einer Siedlung vertreiben, die von bedeutender strategischer Wichtigkeit war. Sie erweiterten die eroberte Siedlung und nannten die Stadt Sukhothai. 1249 wurde Khun Bang Klang Tao unter dem Namen Sri Inthrathit zum König gekrönt. Khun Pha Mung übernahm die Aufgaben des Vizekönigs. Sukhothai wurde zur Hauptstadt ernannt.
Wat Mahathat in Sukhothai (Abbildung oben: Wat Mahathat – das spirituelle Zentrum Sukhothais.)

Ohne es zu wissen, legten sie damit den Baustein für das erste siamesische Königreich, in dem die eigentliche Geschichte des heute bekannten Thailands begann. 120 Jahre lang blieb Sukhothai die Hauptstadt des gleichnamigen unabhängigen Königsreiches. Aller Wahrscheinlichkeit nach, hat auch die thailändische Sprache und Schrift ihren Ursprung in Sukhothai.

Anmerkung:
König RamkhamhaengInzwischen wird von einigen westlichen Historikern die Authentizität der bedeutenden Ramkhamhaeng-Steintafel bzw. deren Inschrift angezweifelt. Die Steintafel wurde Mitte des 19. Jahrhunderts gefunden, und auf 1292 datiert. Viele der Informationen über Sukhothai und die Entstehung der thailändischen Kultur stammen von dieser Tafel.
(Abbildung links: König Ramkhamhaeng)

Die daraus entstandene Diskussion lässt Emotionen aufkommen, da es letztendlich um die Glaubwürdigkeit der Geschichte Thailands geht.

Sitemap | Mailformular | Über thailandblick.com | Impressum | © www.thailandblick.com